Integration im Berliner Sport hat einen Namen: Mohammed El Ouahhabi. Er kommt aus Marokko, hat Germanistik studiert, ist Integrationscoach und Referent für Prävention bei „Sportbunt – Vereine leben Vielfalt!“. Das LSB-Projekt fördert die Integration von Geflüchteten im und durch Sport. Der Job ist seine Mission. Also knüpft er Netzwerke und übernimmt Verantwortung. Unter anderem leitet er die AG Sport des Landesbeirats für Partizipation, der den Senat bei der Teilhabe von Menschen mit Migrationsgeschichte berät. In dieser Funktion bringt er Menschen aus Politik, Vereinen und Institutionen zusammen, um Erfahrungen auszutauschen, sich gegenseitig zu unterstützen. Auch zur jüngsten Sitzung des Beirats hatte er wieder Menschen eingeladen, für die „Sport mehr ist als Training und Schwitzen“, wie er es formuliert. Dazu gehören Tillmann Wormuth von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, Ulrike Kühn vom Bundesprogramm „Integration durch Sport“ und Vereinsvertreterinnen. „Sie sehen Sport als Brücke, Heimat und Hoffnung. Sport als Mittel zur Teilhabe und gegen Einsamkeit – daran müssen wir arbeiten.“ sagt er zur Begrüßung.
Wie viel der Berliner Sport für die Integration leistet und was noch möglich ist, schildert zum Beispiel Tatjana Herrmann vom Shaolin Kulturverein Pankow. Ihr Verein gehört zu den ersten in Berlin, die 2015 mit Geflüchteten arbeiten. Die mehrfache Shaolin Kung-Fu-Weltmeisterin warb in den Unterkünften für die Kurse in Kung Fu, Tai Chi und Qi Gong und für die mit der Kultur der Shaolin-Mönche verbundenen Aktivitäten des Vereins. „Bei uns sollen sich alle heimisch fühlen, die sich für diese Kultur interessieren“, sagt sie. Sie berichtet, wie Geflüchtete im Verein aufgenommen wurden, von den Schwierigkeiten und wie eine Berlinerin mit Vorbehalten zum Probetraining kommt und hinterher begeistert ist. „So werden abstrakte Ängste, die wir voreinander haben, durch Sport abgebaut.“ Die enge Kooperation mit Flüchtlingsheimen ist für Tatjana Herrmann selbstverständlich – inzwischen fehlt ihr aber oft die Zeit dafür: „Wir brauchen Außenstehende, die Geflüchtete zu uns bringen.“
Am Tisch der Beiratssitzung sitzen an diesem Abend auch Tetiana Shportak aus der Ukraine und Mohammed Shaban aus Syrien. Sie erzählten aus eigenem Erleben, wie Integration durch Sport gelingen kann und wie wichtig Unterstützung dabei ist.
Mohammed Shaban hat die Schwimmtrainer-Lizenz erworben. Die Lehrgänge für Geflüchtete wurden finanziert von den Senatsverwaltungen für Inneres und Sport und für Bildung, Jugend und Familie. „Die Idee, Geflüchtete zu Schwimm-Trainern auszubilden, hat sich bewährt“, sagt Tillmann Wormuth – genau an diesem Abend ist wieder ein Lehrgang zu Ende gegangen. Für ihn ist klar: „Menschen haben eine Aufgabe, kommen mit anderen
Menschen zusammen, lernen die Sprache. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels – eine Blaupause für andere Bereiche, auch andere Berufszweige.“
Mohammed Shaban ist jetzt beim Berliner Schwimm-Verband festangestellt. „Sport kann nicht nur verbinden, schafft auch Jobs. Geflüchtete arbeiten, zahlen Steuern, Menschen brauchen diese Chance.“
Tetiana Shorpak, Trainerin in der Rhythmischen Sportgymnastik beim Wartenberger SV, berichtet, dass alle Mädchen aus der Ukraine nach drei Jahren perfekt Deutsch sprechen. „Die Gruppe wächst ständig. Die Kinder freuen sich wieder – sie waren traurig, hatten keine Freunde mehr. Inzwischen bewegen wir uns in Richtung Leistungssport. Die Kinder sind stolz, was sie können.“
Die besondere Rolle des Sports in der Gesellschaft wird an diesem Abend auch räumlich deutlich: Die Sitzung findet in der Potsdamer Straße im Haus der Beauftragten des Berliner Senats für Integration und Migration, Katharina Niewiedzial, statt. In Vertretung betont ihr Persönlicher Beauftragter, Alexander Lautsch: „Hier werden Themen und Bedarfe festgestellt. Es wird inhaltlich gearbeitet. Mit Sport erreichen wir tausende Menschen. Dafür kann man nur danken.“ Er spricht auch von „Themen, die nicht so schön sind: Sport und Rassismus, Rechtsruck, gestandene Sportler, für die gejubelt wird, die Hass und Häme erfahren, wenn mal etwas nicht läuft. Sportvereine sind gefragt. Wir müssen zusammenstehen. Die verbindende Kraft im Sport – das ist das, was bleibt.“
Angela Baufeld
Bildunterschrift:
(v.l.n.r.)
Tillmann Wormuth, Tetiana Shorpak, Ulrike Kühn, Tatjana Herrmann, Alexander Lautsch, Mohammed El Ouahhabi, Mohammed Shaban, Alina Lange (Mitglied des Landesbeirats), Birgit Zur Nieden und Sema Csr (Stab der Integrationsbeauftragten)
Foto-Credit: Jürgen Engler
