Ladies Karate-Kata Cup – Wettbewerb mit besonderem Flair

Zu erleben am 5. Juli in der Tempelhofer Friedrich-Ebert-Sporthalle

Karate – fast jeder hat schon mal von dieser Sportart gehört. Bis heute ist sie mit vielen Klischees behaftet. Bei manchem hält sich das Bild von wilden Kämpfern, die mit den Armen herumfuchteln, seltsame Laute ausstoßen und manchmal Ziegelsteine zerschlagen. Dabei fördert der Wettkampfsport Karate Konzentration, Disziplin und Körperbeherrschung für Menschen jeden Alters. Am 5. Juli ist das beim Ladies Karate-Kata Cup in Tempelhof zu erleben.

Kiai! – Laut und eindringlich klingt dieser Kampfschrei. Er wird in der Tempelhofer Friedrich-Ebert-Sporthalle vielfach zu hören sein. Bei diesem Turnier, das allein Mädchen und Frauen vorbehalten ist. Organisiert wird es von der Budo-Akademie Berlin-Marienfelde. „Wenn Männer bei einem Wettkampf starten, ist die Atmosphäre meist rau und laut. Viele Frauen trauen sich dann nicht teilzunehmen. Deshalb haben mein Mann und ich dieses Turnier ins Leben gerufen“, erzählt Marion Hornung. „Wir kannten so eine Veranstaltung speziell für Frauen aus Hamburg und haben gesagt, so etwas brauchen wir in Berlin auch“. Mit 116 Teilnehmerinnen mit Wettbewerben in Kata und Kumite starteten die beiden engagierten Karateka das Projekt vor zehn Jahren. Nach der Corona-Zeit ging es 2022 mit 58 Starterinnen wieder los. Im vergangenen Jahr nahmen 154 Mädchen und Frauen zwischen sechs und 68 Jahren teil - ein Rekord. Sie kamen aus Berlin und Brandenburg, aber auch aus Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Bayern. Auch vier Teams aus Polen waren am Start. Vielleicht wird in diesem Jahr eine ähnlich hohe Zahl erreicht. Erst gestern war Meldeschluss. 2024 wurden die Initiatoren des Ladies Karate-Kata-Cups vom Bezirk Steglitz/Zehlendorf mit einem Förderpreis für den Frauen- und Mädchensport ausgezeichnet                                                                       

Kiai! – Das ist mehr als nur ein Schrei. Mit ihm sollen Körper und Geist in Einklang gebracht und innere Energie freigesetzt werden, um die eigene Kraft zu verstärken. Sein Ursprung liegt in den japanischen Kampfkünsten, die über Jahrhunderte hinweg entwickelt und verfeinert wurden. Dazu zählt auch Karate, dass im 15. Jahrhundert auf der Insel Okinawa entstand. Erst vor rund 100 Jahren wurde dann es in ganz Japan populär. In den 1950er Jahren auch international. Es gibt zwei Wettkampf-Disziplinen. Bei Kumite, dem Freikampf, stehen sich zwei Karateka gegenüber. Kata, wie beim Ladies-Cup, dagegen ist ein Schattenkampf gegen imaginäre Gegner. „Die Abfolge von Angriffs- und Abwehrtechniken – Tritten, Schlägen, Sprüngen - ist dabei ge-nau vorgegeben“, erläutert Marion Hornung, die den Sport seit 40 Jahren ausübt. „Rhythmus, die Art der Schritte, ob kurz oder lang, Drehungen, die Blickrichtung. Alles ist eine Choreographie und muss richtig auswendig gelernt werden“. Die Dauer der Katas variiert zwischen etwa 30 Sekunden für Anfänger bis zu zwei Minuten für die Fortgeschrittenen. Kampfrichter bewerten die Leistungen nach einem Punktesystem. Es gibt traditionelle Katas, die seit Jahrhunderten überliefert werden und moderne Formen, die im Laufe der Zeit entstanden sind. Eine detaillierte Auflistung aller Katas ist schwer zu erstellen, da viele Stilrichtungen und deren spezifische Kata-Listen existieren. 

Kiai! – Der Schrei wird auch die Mädchen und Frauen der Budo-Akademie beflügeln. 2007 von Jürgen und Marion Hornung gegründet, ist die Akademie seit 2009 ein eingetragener Verein, der Mitglied im Landessportbund ist. „Exakt 203 Mitglieder trainieren regelmäßig bei uns“, sagt die sportliche Frau, die offiziell längst das Rentenalter erreicht hat. Es gibt verschiedene Angebote für Kinder und Jugendliche und auch im Erwachsenenbereich für Anfänger und Fortgeschrittene, sowie Senioren. Die jüngsten Mitglieder sind gerade drei Jahre alt. Der älteste Sportler 78. Den Unterricht für diese unterschiedlichen Gruppen teilt sie sich mit ihrem Mann. Anfangs wollte die Geschäftsführerin eines Mehrsparten-Vereins als Ausgleich nur ein paar Trainingsstunden geben. Daraus ist für die Trägerin des 6. Dans, nahezu ein Vollzeitjob geworden. „Mitgliederverwaltung, Homepage, Training, Buchhaltung sind schon zeitaufwendig“, erzählt Marion Hornung. Aber die Arbeit macht ihr großen Spaß. „Für die Zukunft hoffe ich, dass noch mehr Frauen mit körperlichen Einschränkungen den Weg zu uns finden. Auch für sie ist Kata-Karate eine sehr gute Übungsform“. In die Organisation des diesjährigen Ladies-Cups hat Marion Hornung wieder viel Zeit und Liebe investiert. Auf insgesamt vier Kampfflächen werden am 5. Juli 2025 die Einzel- und Teamwettbewerbe ausgetragen. Interessierte Zuschauer sind sehr willkommen. Was das  Abschneiden der 40 Starterinnen aus ihrer Akademie betrifft, hofft sie auf ähnliche Erfolge, wie im letzten Jahr. Da standen Budo-Karateka 22mal auf dem Siegerpodest.

Herbert Schalling