Mit vier eindeutigen Forderungen zur Förderung des Sports in Berlin hat der Landessportbund Berlin seine Volksinitiative zur Bewerbung Berlins um Olympische und Paralympische Spiele verknüpft. Bei der Anhörung im Sportausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses am Freitag haben die fünf Vertrauensleute der Volksinitiative „Die Spiele für Berlin“ – LSB-Präsident Thomas Härtel, Elena Semechin, Britta Steffen, Lara Kube und Kaweh Niroomand – verdeutlicht, dass mit einer Bewerbung
- die Sanierung und Neubau von Sportstätten und Schwimmbädern hohe Priorität und finanzielle Absicherung erhalten und Sportstätten bei der Planung von Quartieren von Beginn an berücksichtigt werden,
- ein tägliches Sportangebot für alle Berliner Kinder in der Schule eingerichtet wird,
- Sport für alle gesellschaftlichen Gruppen gefördert, ehrenamtliches Engagement entlastet und gestärkt wird
- ein Fonds für den Breitensport eingerichtet wird, aus dem Projekte der Infrastruktur, aber auch Personal gefördert werden kann
Am 21. Mai 2026 wird das Abgeordnetenhaus über das Berliner Bewerbungskonzept diskutieren und abstimmen und sich dabei auch mit den Forderungen der Volksinitiative auseinandersetzen.
Thomas Härtel, Präsident des Landessportbunds Berlin: „Sport hat eine unglaubliche Kraft für Bildung, für Gesundheit, für Inklusion und Integration. Diese Kraft des Sports wollen wir mit Olympischen und Paralympischen Spiele noch stärker entfalten. Mit der Volksinitiative haben wir mehr als 20.000 Unterschriften gesammelt und dabei unzählige Gespräche geführt, Ideen und Argumente gehört, manchmal auch Kritik aber eben auch ganz viel Begeisterung für die Spiele. Es geht uns um die Weiterentwicklung des gesamten Sports und um einen Beitrag für unsere Stadt – auch für die nächsten Generationen. Gerade für die Sportinfrastruktur können die Spiele viel bewirken, weil sie Geldquellen erschließen vom Bund und aus der Wirtschaft, die sonst verschlossen blieben. Berlin hat große Herausforderungen und leider viel zu wenig eigene Ressourcen, um alles aus eigener Kraft zu schaffen.“
Britta Steffen, zweifache Olympiasiegerin im Schwimmen und Laufbahnberaterin am Olympiastützpunkt Berlin: „Als zweifache Mutter kann ich sagen: Unsere Kinder bringen alles mit. Neugier, Energie, Bewegungsdrang. Was ihnen oft fehlt, sind nicht Motivation oder Talent – sondern Möglichkeiten. Zu wenige Hallen. Zu volle Vereine. Zu wenig Bewegung im Schulalltag. Wenn wir über Olympische und Paralympische Spiele sprechen, dann sprechen wir nicht zuerst über ein Event. Wir sprechen darüber, welche Priorität hat Bewegung in dieser Stadt? Welche Chancen geben wir unseren Kindern? Tägliche Bewegung in der Schule verbessert nicht nur die motorischen Leistungen und die Gesundheit der Kinder. Sie verbessert auch nachgewiesenermaßen die Leistungen in Deutsch und Mathe. Dafür brauchen wir hervorragend ausgebildetes Personal. Wir dürfen es nicht hinnehmen, dass in manchen Grundschulen keine einzige ausgebildete Sportlehrkraft arbeitet und Sport auch sonst häufig fachfremd unterrichtet wird. Wenn wir die Spiele nach Berlin holen, dann darf es nicht nur darum gehen, die Welt zu beeindrucken. Ich will, dass wir uns daran messen lassen, was nach den Spielen bleibt.
Elena Semechin, zweifache Paralympicssiegerin im Schwimmen: „In meiner Kindheit in Kasachstan war an Sport nicht zu denken. In Deutschland habe ich dann gemerkt, dass der Schwimmsport für mich das Tor zur Welt sein kann. Allerdings war es nicht so einfach, einen Verein zu finden. Die erste Reaktion war, dass ich ein Störfaktor wäre wegen meiner Sehbehinderung. Seither hat sich vieles verändert, ist aber bei weitem noch nicht optimal. Die Spiele werden uns dabei helfen, die Stadt inklusiver zu gestalten. Wir brauchen den Zugang zum Sport für alle Menschen. Wir brauchen inklusive Sportstätten in jedem Bezirk, weil Wohnortnähe für Menschen mit Beeinträchtigungen nochmal wichtiger ist. Auch ein Leuchtturmprojekt wie der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark ist enorm wichtig.“
Lara Kube, Vorstandsmitglied der Sportjugend Berlin und ehemalige FSJlerin im Sport: „Das Engagement von Menschen im Sport ist ausgesprochen wichtig. Dieses Engagement muss man immer wieder von unten aufbauen. Das zeigt auch meine Geschichte. Als Freiwilligendienstleistende beim TSV Rudow. Als Trainerin. Und Teilnehmerin des Olympischen Jugendlagers in Paris. Und inzwischen als Vorstandsmitglied der Sportjugend Berlin. Ich kann Erfahrungen weitergeben, ich kann Kindern und Jugendlichen Werte vermitteln. Verwaltung und Politik müssen gemeinsam mit dem Landessportbund, der Sportjugend und anderen Verbänden konsequent nach Vereinfachungen für Ehrenamtliche suchen. Wenn Berlin den Zuschlag für die Spiele bekäme, dann würde auch die Aufmerksamkeit und Unterstützung für Projekte in der sportorientierten Jugendsozialarbeit steigen, Projekte wie SpOrt365, das schon Tausende Kinder und Jugendliche ganz niedrigschwellig erreicht und für Sport begeistert hat.“
Kaweh Niroomand, Sprecher der Berliner Profivereine und Olympiabeauftragter des Senats: „Ich kenne kein Ereignis, keine Maßnahme, um den Sport so sehr nach vorne zu bringen wie Olympische und Paralympische Spiele. Natürlich gibt es auch wirtschaftliche Effekte. Neue Aufträge für Unternehmen. Gerade auch für kleine und mittlere Unternehmen. Auch da haben die Spiele in Paris eine Orientierung gegeben mit einer sehr hohen Quote an Aufträgen für kleine und mittlere Unternehmen aus der Region. Vor allem aber geht es darum, mit dem Sport die Stadt weiterzuentwickeln. Gerade auch die Profiklubs wissen um die Verbindung von Breitensport und Spitzensport. Deshalb engagieren sie sich in den Projekten Profivereine machen Kita und Profivereine machen Schule. Ein eigener Fonds für den Breitensport soll Projekte der Infrastruktur fördern, aber auch für Personal. Ein bestimmter Prozentsatz der Investitionen für die Spiele soll automatisch dem Breitensport zugutekommen.“
