Einblicke in den Nachwuchsleistungssport und die Arbeit der Landestrainer*innen bekommen – diese Möglichkeit hatten unlängst Sportlehrer-Student*innen der Humboldt-Universität (HU). Sie konnten die Bundes- bzw. Landesstützpunkte von sieben Sportarten besuchen. Es gab theoretische und praktische Einführungen im Judo, Hockey, Wasserspringen, Boxen, Bogenschießen, BMX und Rudern. „Alles Sportarten, die wir im universitären Rahmen noch nicht so gut kennengelernt hatten“, sagt Luca Mentel (25). Sie studiert Sport und Englisch auf Lehramt und spricht im Interview über ihre Erkenntnisse aus dem Projekt, das das LSB-Leistungssportteam gemeinsam mit den Landestrainer*innen in den vorgestellten Sportarten auf die Beine gestellt hat.
Hat dich etwas besonders überrascht?
Mir war nicht so sehr bewusst, wie viele Arbeitsstunden die Trainer leisten, dass sie unzählige Überstunden machen. Das hat mich beeindruckt. Außerdem war ich erstaunt, dass Kinder teilweise schon in einem sehr jungen Alter mit ihrem Sport beginnen. Beim Wasserspringen schon im Kita-Alter. Interessant fand ich auch die Beziehung zwischen den Trainern und den Sportlern. Beim Boxen haben sie sich zum Beispiel gesiezt. Beim Hockey war das Verhältnis eher lockerer.
Wie hast du die Trainerinnen und Trainer wahrgenommen. Sind sie eher pädagogisch oder eher leistungsorientiert unterwegs? Oder beides?
Ich glaube, beides. Wir haben immer wieder gehört, dass Kinder und Jugendliche gesucht werden, die leistungsorientiert sind und an Wettkämpfen Interesse haben. Ein Trainer beim BMX hat wiederum einen sehr pädagogischen Ansatz. Ihm ist wichtig, dass die Trainer-Sportler-Beziehungen stark und solide ist, die Sportlerinnen und Sportler sich immer auf den Trainer verlassen können und er immer eine Anlaufstelle für ihre Fragen ist. Ich glaube, wie stark der pädagogische Ansatz ist, hängt auch von der Ausbildung der Trainer ab. Manche haben ein Lehramt studiert, manche sind Ex-Sportler.
Wie wird mit Druck und Leistungsanforderung umgegangen wird – welchen Eindruck hast du bekommen?
Mittlerweile gibt es an den Schulen und in den Trainingszentren psychologische Beratungsstellen. Beim Hockey haben wir gehört, dass die Sportler psychologische Beratung erhalten, wenn sie sich sportlich nicht weiterentwickeln. Sie bekommen Unterstützung, mit dem Leistungsdruck umzugehen. Ich glaube, das ist die richtige Richtung – auch wenn der Druck noch sehr groß ist. Es wird auch immer mehr darauf geachtet, einen sanften Ausstieg aus dem Leistungssport zu gestalten, wenn die sportlichen Leistungen nicht mehr ausreichend sind.
Welche anderen Herausforderungen im Leistungssport kamen im Rahmen des Projekts zur Sprache?
Schülerinnen und Schüler der Eliteschule des Sports haben weniger Probleme damit, Training, Wettkampf und Schule in der dualen Karriere zu vereinbaren, als Aktive, die keine Eliteschule besuchen. Sie müssen manchmal ihre Schule wechseln, weil sie für ihren Leistungssport nicht freigestellt werden.
Eine Herausforderung sind oft auch die hohen Kosten für Material und Ausstattung. Im Bogenschießen zum Beispiel – ein Bogen ist sehr teuer. Deshalb wird versucht, mit Sponsoren zu arbeiten.
Du möchtest Sportlehrerin werden. Inwiefern hat deine Teilnahme an diesem Projekt deinen Blick auf den Schulsport verändert?
Das Training, das wir im Rahmen des Projekts gesehen haben, ist sehr speziell auf jeweils eine Sportart ausgelegt. Und das Leistungsniveau ist höher. Ich werde höchstwahrscheinlich nicht an einer Sportschule unterrichten. Deshalb werde ich meinen Sportunterricht anders gestalten müssen. Die Klassen, die ich unterrichten werde, sind heterogener im Leistungsniveau. Ich muss den Unterricht breiter aufstellen, um alle Schülerinnen und Schüler mitzunehmen und so viele wie möglich für den Sport begeistern zu können.
Welche Impulse nimmst du mit ins Studium und vielleicht sogar später mit in die Praxis?
Ich finde sehr interessant, wie Schulen mit Vereinen zusammenarbeiten. Dadurch bekommen Kinder Zugang zum Sport, die diese Möglichkeiten noch nicht haben. Sie können eine Sportart für sich entdecken, vielleicht gute Leistungen zeigen und in Richtung Leistungssport gehen.
Welche Kompetenzen aus dem Leistungssport sind aus deiner Sicht für den Schulsport besonders relevant?
Beim Judo und auch beim Boxen fand ich sehr beeindruckend, wie Werte vermittelt werden: Respekt, die Hand geben trotz Niederlage, den Trainer begrüßen. Auch das Maß an Disziplin und Motivation ist groß, wodurch Leistungssportlerinnen und -sportler attraktiv auf dem Arbeitsmarkt sind. Das möchte ich später im Schulsport auch erreichen.
Was nimmst du jetzt persönlich aus dem Projekt mit?
Die Einblicke in die gezeigten Sportarten waren alle neu für mich – bis auf Hockey, weil ich eine Zeitlang Feldhockey gespielt habe. Interessant war die Art und Weise, wie die Trainingseinheiten gestaltet wurden, und zu sehen, wie gerade jüngere Schülerinnen und Schüler durch Spiele zu Sport und Bewegung animiert und gefördert werden. Wichtig finde ich auch, diese und möglichst viele Sportarten in den „normalen“ Sportunterricht einzubinden, damit jedes Kind die Sportart findet, die ihm Spaß macht. Das wäre mein Ziel.
Interview: Angela Baufeld
Foto: Teilnehmerinnen an dem Projekt – mit Luca Mentel (3.v.l.), LSB-Cheftrainer Robert Bauer (hinten links), Landestrainer Rudern Nick Wustlich (hinten rechts)
