Beim Katz-und-Maus-Spiel Deutsch lernen

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Wie ein Netzwerk sportliche Ferien für Kinder aus Willkommensklassen auf die Beine stellt

Viele Köche verderben den Brei? Von wegen. Das Ferienprogramm für Willkommensklassen in der „Ulme35“ ist das perfekte Gegenbeispiel. Mehrere Akteure haben sich zusammengetan, damit Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren aus verschiedenen Unterkünften bewegte Ferien erleben können. „Tischtennis, Boccia, Staffel-, Ball- und Fang-Spiele – wir probieren vieles aus und machen das, was bei den Kindern gut ankommt“, berichtet Nicholas Brauer, Schwimm- und Rehasport-Trainer beim Sportverein Wasserfreunde Spandau 04. Zwei- bis dreimal in der Woche leitet er nachmittags die Sportstunde in dem Stadtteilzentrum in Westend. Sport mit Kindern macht ihm Spaß. „Meine Tochter ist 14. Sie würde gut hier in die Gruppe reinpassen“, sagt er. Deshalb war er sofort bereit, das Ferienprogramm zu unterstützen, mit dem die Wasserfreunde Spandau 04 ihre sozialen Aktivitäten weiter ausbauen. „Ich habe ein gutes Gefühl dabei“, betont er.

„Wir wollen, dass die Kinder Bewegung und Spaß haben“, erklärt Matthias Rösner. Er leitet in dem Verein die Abteilung Erlebnispädagogik. „Mit der Ulme ein gemeinsames Ferienprogramm auf die Beine stellen – das hat sich angeboten. Weil man viel mehr Power hat, wenn man sich zusammentut.“

Die „Ulme35“ ist ein vom Land Berlin gefördertes Stadtteilzentrum. Es bietet u. a. das Ferienprogramm für Kinder aus Willkommensklassen an – mit Deutschkursen, Musik- und künstlerischen Aktivitäten, Ausflügen und Sport. „Die zusätzliche Bewegung macht den Kindern viel Spaß und tut ihnen gut, das merke ich“, sagt Programmleiterin Maryam Fazeli-Fischer, „sie lernen viel beim Sport: Verlieren können und als Gruppe gemeinsam gewinnen. Nebenbei verbessern sie ihr Deutsch, indem sie miteinander spielen, Worte anwenden und immer wieder wiederholen.“ Das gefällt auch Dayan, zwölf Jahre. Zu Hause im Iran hat sie Karate trainiert. Hier in der Ulme 35 spielt sie am liebsten – wie die meisten Kinder – „Katz und Maus“. „Ich möchte spielen und Deutsch lernen und immer besser werden. Das brauche ich in der Schule“, sagt sie.

Auch Tischtennis ist bei den Kindern sehr beliebt. Sie drängeln sich um die neue Platte, die die Wasserfreunde Spandau 04 mit finanzieller Unterstützung des Bundesprogramms „Integration durch Sport“ angeschafft haben. Britt Finkelmann, LSB-Leiterin des Bundesprogramms, hatte die Investition sofort befürwortet. „Solche Angebote unterstützen wir gern“, sagt sie. Die Mittel kommen vom Bundesministerium des Innern und werden vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) verwaltet. Auch Julia Ludwig, BAMF-Regionalkoordinatorin Integration, hat deshalb das Ferienprogramm in der Ulme besucht und ist begeistert.

„Sport ist mehr als Leistungssport“, begründet Matthias Rösner das soziale Engagement der Wasserfreunde Spandau 04, dem erfolgreichsten Wasserballverein in Deutschland. Die Männer wurden schon 38mal Deutsche Meister, das Damenteam hat seit seiner Gründung 2018 sechsmal die Meisterschaft gewonnen. „Wir wollen den Menschen Gutes tun. Deshalb haben wir im Verein die Abteilung Erlebnispädagogik gegründet. Wir engagieren uns in mehreren Projekten und kooperieren mit Spandauer Grundschulen“, berichtet Matthias Rösner. Während die Kinder fröhlich verschiedene Sportangebote ausprobieren, denkt er schon weiter: „Ein Angebot für Senioren – mit Bewegung und gegen Einsamkeit, das würde, glaube ich, hier im Kiez auch gut ankommen.“

Angela Baufeld

Foto: Jürgen Engler