„Das hat mir die Augen geöffnet“: Wie der Sportaustausch zwischen Berlin und Jerusalem junge Menschen verbindet

Nachrichten

Zehn Tage gemeinsam trainieren, Berlin entdecken und über den eigenen Tellerrand hinausblicken: Der Jugendaustausch zwischen dem Landessportbund Berlin und der Stadtsportverwaltung Jerusalem zeigt seit Jahrzehnten, wie Sport Menschen vereint.

In diesem Jahr nahmen junge Volleyballerinnen und Volleyballer aus beiden Städten teil. Zwei von ihnen erzählen, was sie von der Begegnung mit nach Hause nehmen – und warum daraus mehr geworden ist als ein gemeinsames Trainingslager.

Seit 57 Jahren verbindet den Landessportbund Berlin und die Stadtsportverwaltung Jerusalem die besondere Partnerschaft. Mehr als 3.000 Jugendliche haben in dieser Zeit an Sportbegegnungen teilgenommen. Auch wenn der Austausch seit dem Terrorangriff der Hamas und dem Krieg in Israel aus Sicherheitsgründen derzeit nur in Berlin stattfinden kann, bleibt die Idee dieselbe: junge Menschen unterschiedlicher Kulturen zusammenbringen – auf und neben dem Spielfeld.

In diesem Jahr waren 15 Volleyballerinnen und Volleyballer aus Jerusalem zu Gast in Berlin. Gemeinsam mit 14 Jugendlichen der Füchse Berlin Reinickendorf und des SSV Karow Nord standen Trainingseinheiten, ein Freundschaftsspiel sowie ein volles Kulturprogramm auf dem Plan. Dazu gehörten unter anderem Besuche der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen, der Topographie des Terrors, des Olympiastadions sowie gemeinsame Freizeit mit den Berliner Gastfamilien.

Für den 15-jährigen Lukas Bakhtadze aus Jerusalem war es der erste Besuch in Deutschland. Viel wusste er vorher nicht über das Land. „Ich kannte nur die grundlegenden Dinge – Fußball, gutes Bier. Mein Vater war schon einmal hier und hat mir erzählt, dass Deutschland ein tolles Land mit freundlichen Menschen ist. Aber diese zehn Tage haben meine Erwartungen total übertroffen.“

Besonders bewegt haben ihn die Besuche der Gedenkstätte Sachsenhausen und der Ausstellung in der Topographie des Terrors. „Die Bilder und Geschichten haben mich sehr berührt. Das alles hier zu sehen, hat es für mich viel realer gemacht. Sowas haben wir in Israel nicht in dieser Form.“ Beeindruckt habe ihn auch der Umgang Deutschlands mit seiner Geschichte. „Die Menschen hier wollen erinnern und dafür sorgen, dass sich so etwas nie wiederholt. Sie möchten, dass auch andere davon erfahren“, sagt Lukas.

Vor der Reise hatten ihm Familie und Freunde geraten, als Jude eher unauffällig aufzutreten. Angst habe er aber keine gehabt. „Ich habe mich hier sicher gefühlt. Ich wollte nicht wegen Politik nach Deutschland kommen, sondern neue Menschen kennenlernen und gemeinsam Spaß haben.“

Genau das ist gelungen. Auf dem Volleyballfeld entstanden schnell neue Freundschaften. „Wir spielen alle den gleichen Sport. Das verbindet sofort. Innerhalb weniger Tage sind wir richtig zusammengewachsen.“

Auch für den 16-jährigen Berliner Jules Longy war der Austausch eine neue Erfahrung. „So etwas macht man wahrscheinlich nur einmal im Leben. Es war etwas ganz Besonderes zu erfahren, wie die Jugendlichen aus Israel leben und ticken.“ Vor allem ihre Offenheit habe ihn überrascht. „Schon am ersten Tag haben sie uns herzlich empfangen und sogar kleine Geschenke mitgebracht.“

Durch viele Gespräche habe sich sein Blick auf Israel verändert. „Man hört im Fernsehen viel über das Land, aber das ist nicht immer die Wirklichkeit. Ich habe gelernt, wie vielfältig die Gesellschaft dort ist.“ Auch die Erzählungen über den Alltag während des Krieges hätten ihn nachdenklich gemacht. „Einige müssen bei Raketenalarm in Schutzbunker, andere bekommen davon kaum etwas mit. Das hat mir noch einmal die Augen geöffnet.“

Sein persönliches Highlight war das gemeinsame Wochenende am See. „Wir haben zusammen Beachvolleyball gespielt, gebadet und einfach Zeit miteinander verbracht.“ Für Jules steht fest: „Ich hoffe sehr, dass wir nächstes Jahr nach Israel reisen können. Man merkt sofort, dass man die gleichen Interessen hat. Das bringt einen näher zusammen.“

Auch Lukas hofft auf ein Wiedersehen. „Wir werden auf jeden Fall in Kontakt bleiben. In nur zehn Tagen sind Freundschaften entstanden. Solche Austausche sollte es viel öfter geben. Sie bringen verschiedene Kulturen zusammen und vereinen sie.“

Genau dafür steht die Partnerschaft zwischen Berlin und Jerusalem. Sie zeigt seit 57 Jahren, dass Sport weit mehr sein kann als Wettkampf: Er verbindet junge Menschen unterschiedlicher Kulturen, schafft Freundschaften und eröffnet neue Perspektiven.

Franziska Staupendahl