Der Eichenprozessionsspinner – ein vermeidbares Problem

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Zentrales, frühzeitiges Handeln auf Senatsebene zugesichert

Flatterbänder, Warnhinweise, verschlossene Tore: Wer in diesem Sommer auf Berlins Sportanlagen angewiesen ist, muss mitunter gravierende Einschränkungen hinnehmen. Der Grund dafür hat lange, abstehende Fasern und baut seine Nester im Dickicht der Äste von Eichenbäumen. Der Eichenprozessionsspinner, eine Raupe, die später zum gewöhnlichen Nachtfalter wird, entwickelt Brennhaare, die zu Juckreiz und Hautausschlägen führen können. Manche Menschen können auch allergisch darauf reagieren, mögliche Symptome sind etwa Atemnot und Schwindel. Diese gesundheitlichen Risiken sind auch der Grund für die Vorsicht, mit der die Berliner Bezirke auf den massenweisen Befall reagieren. Die Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners, kurz EPS, nimmt durch den Klimawandel zu, da er sich besonders in heißen, trockenen Phasen des Jahres verbreitet. Berlin und Brandenburg gehören zu den am meisten betroffenen Regionen.

Das alles wäre zwar ärgerlich, aber kein grundsätzliches und besonderes Problem für den Sport, wenn die Berliner Verwaltung ihm überall auf die gleiche Weise begegnen würde. Leider aber ist festzustellen, dass an Orten wie Parks und Spielplätzen Warnungen auszureichen scheinen oder nur Teilbereiche abgesperrt werden. Sportanlagen wiederum werden gleich komplett gesperrt und Veranstaltungen z.B. werden wegen EPS-Befalls gleich abgesagt. Um das Bild noch verwirrender zu machen, handelt jeder Bezirk unterschiedlich: In manchen Bezirken wird an Sportanlagen nur gewarnt, in anderen gleich ganz dicht gemacht.

Für den Berliner Sport ist das in mehrfacher Hinsicht ärgerlich. Zum einen ist es nicht verständlich, warum Flächennutzungen ungleich geregelt werden. Spielende Kinder im Grünen, also in Parks oder auf Spielplätzen, sind mindestens genauso gefährdet wie Sportlerinnen und Sportler. Warum wird für Letztere alles dicht gemacht, während Erstere auf eigene Gefahr handeln können? Das eigentliche Problem liegt aber in der mangelnden Prävention und der unzureichenden Bekämpfung des EPS: Bereits seit mehreren Jahren taucht der EPS im Frühsommer auf, von Jahr zu Jahr stärker. Längst schon hätten Strategien entwickelt werden müssen, hier schon früh Nester abzusaugen oder mit anderen, ökologisch unbedenklichen Maßnahmen der Schädlingsbekämpfung vorzugehen. Das hat auch LSB-Präsident Thomas Härtel auf der letzten Sitzung der Bezirksstadträte angemahnt. Immerhin wurde zugesichert, ein zentrales, frühzeitiges Handeln auf Senatsebene in die Wege zu leiten. Der nächste Frühsommer wird zeigen, ob dies tatsächlich getan wird. Bis dahin heißt es, den Flatterbändern in Berlin auszuweichen. Auch ein Sport, wenn man so will.

David Kozlowski

Foto: EPS-Spezialisten haben Anfang Juli Nester aus sechs Bäumen auf dem Grundstück des Ruderzentrums am Jungfernheideweg abgesaugt.