„Der Stress geht weg, der Spaß kommt“

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Wie zwei junge Frauen aus Istanbul beim LSB-Projekt „SPORTBUNT – Vereine leben Vielfalt!“ die Ausbildung zur DOSB-Übungsleiter*in-C-Lizenz erleben

„Der beste Weg, sich in Deutschland zu integrieren, ist Sport zu machen“, sagt Irmak. Ihre Cousine Eylül nickt heftig. Sie wissen, wovon sie reden. Beide sind 18 Jahre, in Istanbul geboren und seit zwei Jahren in Berlin. Sport gehört seit Kindertagen zu ihrem Leben, zuerst Taekwondo, später Volleyball. Deshalb haben sie sich in Berlin schnell einen Verein gesucht, um weiter Sport treiben zu können. Beim VSV Hohenschönhausen 1987 e. V. spielen sie jetzt nicht nur Volleyball – „motiviert und ehrgeizig“, wie sie berichten. Dort kurbeln sie auch ihre Integration an: „Wir lernen andere Menschen und neue Freunde kennen. Das ist sehr wichtig für uns. Wir wollen uns weiterentwickeln“, erzählt Irmak. Auch ihre Deutschkenntnisse verbessern sie im Verein. „Als wir nach Deutschland kamen, konnten wir gar kein Deutsch. Das war schlimm. Ich habe dann in der Schule Deutsch gelernt. Ich spreche zwar gut Englisch. Aber man braucht Deutsch“, das ist für Eylül klar.

Jetzt gehen die beiden Frauen den nächsten Schritt bei ihrer Integration: Sie absolvieren die Übungsleiter*innen-Ausbildung zur C-Lizenz im Breitensport. Ihr Trainer hat sie auf den Kurs in den Sommerferien aufmerksam gemacht. „Wir haben gedacht, dass wir das schaffen können“, erinnert sich Irmak selbstbewusst.

Organisiert wird der Kurs vom Team des LSB-Projekts „SPORTBUNT – Vereine leben Vielfalt!“ gemeinsam mit der Gerhard-Schlegel-Sportschule des LSB und finanziert von der Senatsverwaltung für Inneres und Sport. In den letzten Jahren wurden schon mehrere solcher Kurse für Menschen aus verschiedenen Herkunftsländern durchgeführt. Auch diesmal gibt es wieder mehr Bewerber*innen als Plätze. Erstmals findet der Kurs ohne Unterstützung von Dolmetschenden statt, weil die Zahl der Herkunftsländer gestiegen und Dolmetschen für alle nicht mehr möglich ist, aber alle die gleichen Bedingungen haben sollen. Gute Deutschkenntnisse sind jetzt also Voraussetzung. Die 28 Teilnehmenden – 20 Frauen, sieben Männer, eine diverse Person – kommen aus der Ukraine, aus Syrien, Afghanistan, Äthiopien, Vietnam, aus dem Iran und der Türkei.

„Wir haben gedacht, die Ausbildung ist nur für Volleyball, aber sie ist sportartübergreifend. Das finden wir gut, weil wir dadurch noch mehr lernen. Wir wussten auch nicht, dass so viele Erwachsene dabei sind. Am Anfang fühlten wir uns nicht so gut, weil wir noch nicht so viele Erfahrungen haben wie sie. Aber das ging schnell vorbei“, erzählt Eylül. Die beiden Frauen sind von der Ausbildung begeistert, wie es Irmak ausdrückt: „Wir lernen viel, jeden Tag etwas Neues. Jeder Tag ist anders. Die Dozenten sind gut. Wir hören bestimmte Themen aus der Sicht von verschiedenen Dozenten – das ist interessant.“

Wie im Verein haben Irmak und Eylül auch bei dieser Ausbildung schon Freundschaften geschlossen. „Am Anfang waren wir schüchtern. Wir sind alle aus verschiedenen Kulturen. Trotzdem haben wir schnell zusammengefunden“, blickt Eylül zurück. Sie und Irmak sind jetzt eng mit zwei Kurdinnen befreundet und freuen sich über die Einladung zur Geburtstagsfeier.

Die Unterrichtsphase beim Lehrgang ist inzwischen vorbei. Ende September finden die Prüfungen statt. Wenn alles gut geht, erhalten alle Teilnehmenden Anfang Dezember bei einer feierlichen Übergabe ihre DOSB-C-Lizenz „Sportartübergeifender Breitensport“.

Irmak und Eylül möchten dann ihr Wissen weitergeben und in ihrem Verein als Trainierinnen arbeiten. Eylül ist sich sicher: „Dabei lerne ich bestimmt wieder Neues.“ Irmak möchte am liebsten Kinder trainieren.

Beide sind von ihrem Weg der Integration durch Sport überzeugt. Irmak drückt es so aus: „Wer nach Deutschland kommt, hat viel Stress und Stress ist nicht gut für den Körper. Wir sind in einen Verein gegangen, haben Sport gemacht: Der Stress geht weg, der Spaß kommt.“

Weitere Infos zum Projekt „SPORTBUNT – Vereine leben Vielfalt!"