„Die Emotionen bei Olympia sind ganz andere“

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Melanie Symalla (46) aus Berlin ist ehrenamtliche Schiedsrichterin im Eisschnelllauf und wurde von der Internationalen Eislaufunion ISU für die Olympischen Winterspiele in Mailand berufen.

Wann haben Sie erfahren, dass Sie nach Mailand fahren werden?

Ich wurde genau am 25. Juni 2025 per E-Mail informiert, dass ich zum Schiedsrichterteam in Mailand gehören werde.

Bei welchen Wettkämpfen werden Sie im Einsatz sein?

Wir sind vier Schiedsrichter, die für alle Strecken zuständig sind. Es gibt ein Team für die Wettbewerbe der Frauen und eins für die Männer – wobei wir uns immer gegenseitig unterstützen.

Wie kam es, dass Sie berufen wurden?

Ich gehöre zu den weltweit 25 Schiedsrichtern, die bei ISU-Events, wie Welt- und Europameisterschaften sowie Weltcups, eingesetzt werden. Bei Olympischen Spielen achtet die ISU zusätzlich darauf, möglichst zwei Männer und zwei Frauen aus möglichst unterschiedlichen Kontinenten zu nominieren.

Sind Sie zum ersten Mal als Schiedsrichterin bei Olympischen Winterspielen dabei?

Ja, aber es werden dann schon meine dritten Winterspiele als Offizielle sein. In Pyeongchang/Korea und in Peking habe ich als Sportexpertin der ISU die Schiedsrichter unterstützt.  

Was unterscheidet einen Olympia-Einsatz von Einsätzen bei anderen internationalen Wettbewerben?

Inhaltlich macht es keinen Unterschied, ob Nachwuchswettkampf mit Kindern in Berlin oder ein Weltcup – ein Wettkampf ist ein Wettkampf. Für mich persönlich sind die Emotionen bei Olympischen Spielen jedoch ganz andere: Die Freude der Sportler über einen Sieg ist dort spürbar intensiver.

Wie bereiten Sie sich auf die Spiele vor?

Der Wettkampfablauf ist immer gleich, daher brauche ich keine spezielle Vorbereitung. Bei den Olympischen Spielen wird jedoch stärker auf die Einhaltung des Zeitplans geachtet.

Werden Sie Zeit haben, Wettkämpfe in anderen Sportarten zu besuchen?

Das wird schwer. Ich hoffe, dass wir zum Shorttrack oder zum Eiskunstlauf gehen können, weil diese Wettkämpfe in Mailand sind. Die Bob- oder Biathlonwettkämpfe sind zu weit weg – das werden wir leider nicht schaffen.

Wie lange sind Sie schon Schiedsrichterin?

Seit 2002.

Mussten Sie eine Prüfung ablegen?

Im nationalen Rahmen gibt es keine Prüfungen, aber ich habe an Schulungen teilgenommen. Im internationalen Rahmen gibt es Kurse und einen Wissentest. Bewertet wird auch das persönliche Auftreten bei Wettkämpfen.

Was sind die konkreten Aufgaben eines Schiedsrichters bzw. einer Schiedsrichterin?

Vor einem Wettkampf prüfen wir die Startberechtigungen und erstellen die Startliste. Während des Rennens überwachen wir die Einhaltung der Regeln – etwa die korrekte Bahnnutzung, den regelmäßigen Bahnwechsel nach jeder Runde und dass es zu keiner Behinderung zwischen den Sportlern kommt.

Wie viel Zeit widmen Sie Ihrem Ehrenamt?

In der Saison von Oktober bis März bin ich fast jedes Wochenende bei Wettkämpfen in Berlin und zwei- bis dreimal international im Einsatz. Da können pro Woche auch schon mal 15 bis 20 Stunden zusammenkommen.

Für die Winterspiele nehmen Sie Urlaub?

Ich werde vom 3. bis 22. Februar in Mailand sein und für diese Zeit Urlaub nehmen.

Was machen Sie hauptberuflich?

Ich bin Teamleiterin bei einer Krankenversicherung.

Waren Sie früher aktive Eisschnellläuferin?

Ja – neun Jahre. Ich war auch auf der Sportschule und habe an Deutschen Meisterschaften teilgenommen, allerdings ohne große Erfolge. Deshalb habe ich meine aktive Laufbahn im Eisschnelllauf beendet. Rückblickend bin ich sehr froh darüber: Ich bin meinen eigenen Weg gegangen und kann heute als Schiedsrichterin an Olympischen Spielen teilnehmen.

Interview: Angela Baufeld

Foto-Credit: elementalPRESS/L. Hagen