Die Häuser am Meer

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Im Jugendferienpark Ahlbeck können Kinder aus Berlin sich Ferienträume erfüllen. Nach der Wende hat die Sportjugend Berlin den aus der Kaiserzeit stammenden Gebäudekomplex übernommen. Heute ist er ein zentraler Bestandteil der sportorientierten Kinder- und Jugendsozialarbeit.

Katharina Günther-Wünsch kann Sport. Beim Rundlauf an der Tischtennisplatte war sofort klar, dass sie Finalchancen hat, beim Beachvolleyball am weißen Ostseestrand gab sie den Ton an – und bei der Diskussionsrunde im Kaiserzimmer stellte Berlins Bildungssenatorin schnell klar, dass der Sport für sie ein wichtiger Teamspieler im Bildungssektor ist.

„Diese Arbeit ist mir extrem wichtig, im Sinne der Armutsprävention, im Sinne der Elternarbeit. Und wir haben die Möglichkeit der Integration“, sagte Katharina Günther-Wünsch im Jugendferienpark Ahlbeck, wo sie zuvor gemeinsam mit Thomas Härtel, Präsident des Landessportbunds Berlin und Christian Krull, Vorsitzender der Sportjugend Berlin, das 45.000 Quadratmetergroße Areal auf Usedom in Augenschein genommen hatte.

Idyllisch nur wenige Meter von der Ostsee entfernt, mit eigenem Zugang zum Strand, bietet der von der Sportjugend Berlin betriebene Jugendferienpark Berliner Jugendlichen und Berliner Familien mit belastenden Lebenssituationen die Möglichkeit, einen Traum wahr werden zu lassen. Den vom Haus am Meer – oder zumindest vom Zelt am Meer – für ein langes Wochenende oder für einen Trip in den Ferien.

„Hier kommen Kinder her, die haben zuvor noch nie das Meer gesehen. Die laufen sofort zum Strand, ziehen noch nicht einmal ihre Kleider aus, bevor sie sich ins Wasser stürzen“, erzählt Marius Estel, der das 20köpfige Team der ehrenamtlichen Teamer*innen anführt, die sich in Ahlbeck in den Ferien um die Kinder und Jugendlichen kümmern.

In Ahlbeck finden in 40 Zelten und den 1912/13 erbauten, durchaus pittoresken Gebäuden mehr als  400 Kinder und Jugendliche Platz. 565 Euro kosten die zwei Wochen Ferien pro Kind – inklusive Betreuung, Vollverpflegung sowie An- und Abreise im Bus. Die Angebote sind zu finden auf www.sportjugendreisen.de

„Wir arbeiten in Berlin eng mit den Bezirksämtern zusammen, damit Kindern dieser Ferientraum erfüllt werden kann, die sonst nicht die Möglichkeiten haben, in den Ferien wegzufahren. Zudem bieten wir das ganze Jahr über, gefördert von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, Familienbildungswochenenden für Menschen aus belastenden Lebenssituationen an. Dazu zählen vor allem Kinder- und Familienarmut“, erzählt Christian Krull.

Während ihrer „Woche des Sports“ besucht Katharina Günther-Wünsch Einrichtungen des Sports in Berlin, die in der Bildungs- und Sozialarbeit arbeit eine wichtige Rolle spielen. „Ich treffe immer nur auf positive Leute, wenn ich mit dem Sport unterwegs bin. Hier in Ahlbeck habe ich kein Kind mit einem Handy gesehen. Die reden miteinander, spielen miteinander. Es ist beeindruckend, wie Breitensport und leistungsorientierter Nachwuchssport hier miteinander verbunden werden.“

Sport vermittelt auf spielerische Weise Werte wie Team- und Kooperationsfähigkeit, Verantwortungsgefühl sowie Rücksichtnahme, ist ein praktisches Übungs- und Lernfeld, um soziale Regeln einhalten zu lernen und für ein gewaltfreies Miteinander, auf dem Platz Fairplay genannt. Thomas Härtel fasst zusammen: „Sport ist ein wirkungsvolles Instrument zur Prävention von Gewalt und Kriminalität und damit ein ideales Medium für Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit.“

Durch den innovativen Ansatz der Kombination von Jugendsozialarbeit und Sport sollen vor allem vereinsungebundene, sozial benachteiligte junge Menschen insbesondere in sozial benachteiligten Gebieten und mit Blick auf bestimmte Zielgruppen (junge Geflüchtete und junge zumeist männliche Erwachsene) erreicht werden. Über das niedrigschwellige Medium Sport wird eine Alternative zur Straße geboten und das Abgleiten in heikle wie subkulturelle Strukturen verhindert.

Im Mittelpunkt der Arbeit stehen die Leitmotive Teilhabe, Integration, Prävention, Partizipation und Inklusion. Es werden spezielle Angebote entwickelt und dafür Räume geschaffen, um diese umzusetzen. Der Jugendferienpark in Ahlbeck ist dabei nur einer von vielen, die der Berliner Sport zu bieten hat.