Vor 20 Jahren war Berlin der Mittelpunkt der Fußball-WM 2006. Das Sommermärchen fand mit dem Eröffnungsspiel am 9. Juni in München seinen Lauf, im Olympiastadion wurde am 9. Juli 2006 das Finale zwischen Italien und Frankreich gespielt. Können Sie sich daran noch erinnern?
Ja, das ist so ein „Wo warst Du, als …“-Ereignis: die Fanmeile, die Stimmung in der Stadt und im ganzen Land, diese neue deutsche Fröhlichkeit. Und natürlich auch sehr spannende Spiele. Daher ist das Sommermärchen auch eine zusätzliche Motivation für unsere Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele.
Auf wen tippen Sie denn jetzt als Weltmeister?
Ich verbinde einfach mal Tipp und Hoffnung und sage Deutschland, auch wenn ich weiß, dass die Chancen schon mal besser standen.
So ein Tippspiel in der Firma, im Verein oder im Freundeskreis ist ja harmlos. Aber Wetten können ja durchaus auch sehr problematisch sein. Wie steht der LSB Berlin denn zu Sportwetten, die ja im Umfeld der Fußball-WM allgegenwärtig zu sein scheinen?
Der LSB ist 2025 als erster Sportverband in Deutschland dem „Bündnis gegen Sportwetten-Werbung“ beigetreten. Dieses Bündnis engagiert sich für einen effektiven Kinder-, Jugend- und Spielerschutz. Dieser Schutz ist auch deshalb so gefährdet, weil die Vermarktung der Wettangebote teilweise sehr aggressiv passiert. Für uns ist klar, dass wir das Bewusstsein extrem schärfen müssen, weil wir um die Gefährdung durch das Suchtpotenzial Wetten wissen – und das nicht nur im Profibereich.
Was tut der LSB diesbezüglich?
Der Landessportbund Berlin und seine Jugendorganisation die Sportjugend Berlin engagieren sich derzeit bereits mit Veranstaltungen und Materialien in der Suchtprävention. Suchtprävention und Suchthilfe würden wir gerne noch weiter und tiefer in den Berliner Sport hineintragen. Angesichts der Fülle an gesellschaftspolitischen Aufgaben, um die wir uns jetzt schon kümmern, bräuchten wird dazu neue Ressourcen. Da müssen wir gemeinsam mit der Politik nach Wegen der Finanzierung suchen.
Die Suchtgefahr ist sehr offensichtlich, daneben besteht die Betrugsthematik durch Spielmanipulationen, die auch im Amateurbereich und Jugendbereich existiert. Ist das Gefährdungsspektrum damit vollständig geschildert?
Bei Weitem nicht. Es hat sich herausgestellt, dass bei Hassbotschaften in sozialen Netzwerken gegen Athlet*innen ein unmittelbarer Zusammenhang mit Sportwetten besteht. Denn der Kreis der Absendenden besteht zu einem Teil auch aus Menschen, die bei Sportwetten verloren haben und ihre Wut darüber direkt gegen Athlet*innen richten.
Was bedeutet dies für den LSB?
Wichtig ist auf jeden Fall die Haltung, sich zu positionieren. Wir wissen alle, dass der Sport, gerade im professionellen Bereich, Sponsoren benötigt. Der Sport steht auch in der Verantwortung aufzuklären, Präventionsangebote zu machen und sein Sponsoring gewissenhaft anzulegen. Es geht nicht immer um Verbote, es geht vor allem darum, sinnvolle Wege zu finden, um aufzuklären, Prävention zu fördern und das Bewusstsein zu schärfen.
