„Die wollen keine Verantwortung mehr übernehmen und sich nur unverbindlich engagieren.“ Ein Satz, der häufiger zu hören ist, wenn das Thema „junge Engagierte“ in Gesprächen in Sportvereinen aufkommt.
Dabei zeigen aktuelle Untersuchungen wie die Shell Jugendstudie eine differenzierte Perspektive auf junge Menschen. Sie sind politisch so aktiv und zeitgleich auch so psychisch belastet wie nie zuvor. Bisher nicht engagierte Personen zeigen grundsätzlich eine höhere Bereitschaft zur Aufnahme eines Engagements auf als noch vor einigen Jahren. Andererseits finden sich immer wieder Hürden, die junge Menschen vor der Ausübung eines Engagements zurückschrecken lassen. Der vierte Engagement Bericht des BMBFSFJ benennt hier unter anderem die unklaren Mitsprachenmechanismen, fehlende Repräsentation bestimmter Gruppen und die Ansprache als zentrale Stellschrauben der erfolgreichen Engagementförderung.
Folgende Fragen dienen als Denkimpulse und Perspektivwechsel für Sportvereine:
- Was sieht eine junge Person als erstes über ein Engagement von einem Verein, wenn es in den sozialen Medien oder im Internet danach sucht?
- Wie kommuniziert der Verein die Entscheidungen des Vorstandes? Gibt es offene Sitzungen oder ein einsehbares Protokoll?
- Wie werden Aufgabenpakete im Verein aufgeteilt? Gibt es eher wenige Personen mit vielen Aufgaben oder viele Personen mit teils nur einzelnen Aufgaben?
- Wie viele junge Menschen sind an den Entscheidungen des Vereins beteiligt?
Trotz rasanten Wandels der Jugendwelt bleibt das soziale Umfeld der wichtigste Faktor bei der Gewinnung von jungen Engagierten. So zeigt die Freiwilligenumfrage von Vostel, dass knapp die Hälfte der erfolgreichen Ansprachen im direkten sozialen Umfeld passieren. Die Beteiligung und Einbindung junger Menschen schon im frühen Alter legt dabei die Basis für ein weiteres Engagement. Denn Mitmachen führt zu Mitbestimmen, führt zu Mitgestalten, führt zu Mitverantworten, führt zur Verantwortungsübernahme. Hierzu dienen dem Verein folgende Handlungsempfehlungen:
- In kleinen und klar abgegrenzten Aufgabenpaketen planen und Ressourcen und Bedarfe direkt kommunizieren.
Ein Onboarding statt einen „komm mal vorbei“ hilft beim Einstieg. - Verantwortung neu denken
Job-Sharing und Co-Leadership im Team Vorstand verteilen die Aufgaben auf mehrere Köpfe und lassen Freiräume für Neues. - Eine offene Kommunikation und Engagementkultur
Zeigen, wie demokratisch Entscheidungen im Verein ablaufen und die „stillen Held*innen“ bei Spieltagen, Versammlungen oder Ehrungen öffentlich würdigen. - Individuelles Wachstum durch Mitbestimmung, Verantwortungsübertragung und Fort- und Weiterbildungsangebote ermöglichen.
