Orangefarbenes Accessoire bei anderen Menschen oder die kleinen Aufhänger an den Haltestangen in BVG-Bussen – in diesen Tagen ist Orange Week. Diese beginnt alljährlich mit dem Internationalen Tag zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen.
Es ist ein gesamtgesellschaftliches Thema, dem auch wir im Sport Aufmerksamkeit schenken müssen: ob auf dem Vereinsgelände oder bei Sportveranstaltungen. Einige Profi-Vereine und Landesfachverbände haben mittlerweile im Rahmen von sogenannten Awareness-Konzepten für Veranstaltungen besondere Unterstützungsteams etabliert. So auch der Berliner Fußball-Verband mit dem Angebot „Wo ist Lina?“.
Das sind sehr gute Ansätze, um neben dem Kinderschutz auch im Erwachsenenbereich eine Sensibilität zu fördern und Unterstützungs- und Präventionsangebote gegen Gewalt – und insbesondere Frauen – bekannter zu machen.
Im LSB-Landesausschuss für gesellschaftliche Verantwortung hat der Berliner Sport alle gesellschaftlichen Themen gebündelt, denn es gibt sehr viele Schnittmengen und gemeinsame Ziele. Ein Sportverein, ein Vereinsgelände, eine Sportveranstaltung – überall muss jeder Mensch sicher sein und sich sicher fühlen. Das muss unsere gemeinsame Ambition sein. Nicht alles können wir selbst und ehrenamtlich konzipieren und umsetzen, daher sind die Unterausschüsse stets offen für Teilnehmende aus Fachinstitutionen, deren Kompetenz und Netzwerke uns helfen können, weitere gesellschaftliche Partner zu finden und gemeinsam etwas zu erreichen.
Im Frühjahr hat der Unterausschuss „Interpersonale Gewalt“, der seit Beginn dieser Legislatur besteht, eine kleine Befragung unter den Berliner Sportvereinen und -verbänden durchgeführt. Es gab nur wenige Rückmeldungen, aber die wiederum zeigen, dass wir mit unserem großen Engagement im und für den Kinderschutz eine gute Basis erreichen, um dann darüber hinaus zu agieren. Denn die Grundlagen im Kinderschutz gelten für Menschen jeglichen Alters. Und so kann auch jeder Sportverein agieren: das für den Kinderschutz erforderliche Präventions- und Interventionskonzept weiter fassen oder zumindest auch als Grundlage für das Miteinander aller Mitglieder nehmen.
Scheinbar reden wir noch immer zu selten über Gewalt-Erfahrungen, müssen noch mehr aufarbeiten, um dann zu verstehen, was wir anders und besser machen können und müssen. Wegschauen ist keine Lösung, Hinschauen und seine Stimme erheben, kann nur für uns alle der einzige richtige Weg sein.
Und vielleicht gemeinsam Tanzen? Jedes Jahr am 14. Februar ist One Billion Rising ein solcher Moment, wenn sich weltweit Menschen zu einer tanzenden Demo gegen die Gewalt an Frauen und Mädchen treffen. Auch in Berlin wieder – vor dem Brandenburger Tor. (siehe Foto)
Thorsten Süfke
LSB-Landesausschuss für gesellschaftliche Verantwortung – Vorsitzender des Unterausschusses Interpersonale Gewalt
