„Genau die Spiele, die die Welt jetzt braucht“

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Team BERLIN+ stellt den deutschen Spitzenverbänden ein olympia- und paralympiareifes Konzept vor

Welcher Ort passt eigentlich am besten zu einer Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele? Wo kann man sich treffen, um den Sport zu fühlen, mit dem, was ihn ausmacht, Freude und Gemeinschaft, magische Momente, die zu einem kollektiven Erinnerungsschatz werden, aber auch Instrumentalisierung und ideologische Unterdrückung. Es gibt tatsächlich diesen Ort, der das alles auf sich vereint: das Berliner Olympiastadion. Ein Stadion der Widersprüche, der Spannungen. Missbraucht von den Nationalsozialisten für die eigene Machtdemonstration. Und später beispielsweise der Ort für einen Triumph der Menschlichkeit bei den Special Olympic World Games 2023. Ein Stadion wie der Sport und ein Stadion wie Berlin.

Alle drei Bewerberstädte haben gerade die Vertretungen der olympischen Spitzenverbände eingeladen, die am 26. September entscheiden, mit welcher von ihnen sich Deutschland international um die Olympischen und Paralympischen Spiele bewirbt. Der Berliner Senat hat für diese Einladung das Olympiastadion gewählt. Das Stadion, das von sich behaupten kann, die schnellste Bühne der Welt zu sein, denn noch immer stehen hier die Weltrekorde von Usain Bolt über 100 und 200 Meter.

Weltrekorde auf der einen Seite, und derzeit viele Fußballspiele von Hertha BSC mit emotionalem Auf und Ab, mit Hoffnungen und Enttäuschungen. Schon deshalb war auch Fabian von Wachsmann, Herthas Stadionsprecher, die richtige weil ehrliche Stimme, um durch das kompakte Programm zu führen. Denn auch er verkörpert die Botschaft: Ja, wir wissen, dass Berlin eigen ist. Dass auch gerne mal gemeckert wird. Aber gerade weil Berlin bodenständig und authentisch ist, weil in Berlin Dinge gehen, die anderswo nicht möglich sind, kommen so viele Menschen in unsere Stadt. Aus Deutschland und aus dem Ausland. Und auch wir lassen uns immer wieder von unserer eigenen Stadt begeistern.

Berlin kommt daher bei seiner Bewerbung auch mit echten Bildern von den großen Momenten  und Menschen aus, weil hier jedes Jahr so unglaublich Begeisterndes stattfindet. Dazu braucht es keine KI. In Berlin kann man sowieso niemand etwas vormachen. Das erlebt Kaweh Niroomand, Berlins Olympiabeauftragter, gerade jeden Tag. Weil aus der Stadtgesellschaft, ob bei der Volksinitiative des Landessportbunds, oder bei den Bürgerforen, so viele Ideen und Anregungen gekommen sind, ebenso aus den vielen Einzelgesprächen mit den Spitzenverbänden, war diese Einladung an die Spitzenverbände zuallererst auch ein Anlass, um Danke zu sagen. Für all das Engagement und die Kreativität, die aus BERLIN+ ein großartiges Konzept gemacht haben. 

Das Plus in BERLIN+ verkörperte unter anderem Leipzigs Sportbürgermeister Heiko Rosenthal (Die Linke). Mit viel Enthusiasmus konnte er deutlich machen, dass die Spiele ein Gewinnerthema für Sachsen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, ja ganz Ostdeutschland sind. Und Moritz van Dülmen von der Berliner Kulturprojekte GmbH konnte zeigen, wie eng die einzigartige Berliner Kultur in die Bewerbung eingebunden ist.

Welche Fragen es noch gibt? Die nach der politischen Unterstützung in der Gegenwart haben der Regierende Bürgermeister Kai Wegner und die Sportsenatorin Iris Spranger mit viel Verve und Leidenschaft untermauert. Und die in der nahen Zukunft? Wie es denn politisch in Berlin weitergeht. Dazu konnte Jörn Oltmann etwas sagen. Er ist Bezirksbürgermeister von Tempelhof-Schöneberg. Für die Grünen. Und er engagiert sich von Beginn an im Kuratorium der Bewerbung. „Mit meiner Partei war das am Anfang nicht ganz einfach. Aber das kriegen wir schon hin.“ Heißt: Es gibt auf jeden Fall politische Verlässlichkeit für die Bewerbung auch nach der Wahl zum Abgeordnetenhaus am 20. September.

Und auch Jörn Oltmann geht es zuerst um die großen Chancen für den Sport, darum, welche Sportstätten, auch als Trainingsstätten für alle, durch die Spiele saniert oder errichtet werden können. Einen besonderen Akzent legt die BERLIN+ auf Inklusion, weshalb die zweimalige Paralympicssiegerin Elena Semechin auch sagte, dass es nicht nur darum gehe, ein paar Bürgersteige durch die Spiele abzusenken, sondern mehr Teilhabe durch Sport für Menschen mit Behinderung zu ermöglichen.

Und dann kam eine weitere Motivation ins Olympiastadion gelaufen. Nicht einmal. Sondern 60 mal. 60 Kinder aus Berliner Sportvereinen in ihren Trikots, Trainingsanzügen oder Judoanzügen überbrachten zum einen noch einmal das Motto der Berliner Bewerbung, das der Landessportbund eigebracht hatte: Gebt die Spiele den Kindern! Zum anderen überreichten sie den anwesenden Gästen das sogenannte Bid Book, in dem zusammengetragen ist, was die Spiele in Berlin ausmachen und vor allem auch, was sie hinterlassen werden an wertvollem Erbe für die Gesellschaft.

Schon ganz am Anfang steht darin etwas Entscheidendes. Von jemand, der einen klugen Blick von außen hat, Professor Christopher Young von der Universität Cambridge: „In einer Zeit, in der demokratische Gesellschaften unter Beschuss stehen, in der das Vertrauen der Öffentlichkeit fragil geworden ist und in der die internationale Politik zunehmend Spaltung statt Offenheit belohnt, stellen die Olympischen und Paralympischen Spiele eines der wenigen noch wirklich globalen zivilgesellschaftlichen Rituale dar. Sie gehen weit über den bloßen Sport hinaus: Sie stehen für Tradition, den Geist der Gegenwart und die Zukunft, die sich Nationen für sich selbst vorstellen. Keine deutsche Stadt ist besser geeignet, diese Rolle zu übernehmen als Berlin.“

Auch über die globale Bühne schreibt Young, und dass in Deutschland heute nur Berlin diese internationale Sichtbarkeit biete. „Berlin ist Deutschlands offenste Stadt und gilt für viele auch als Deutschlands einzige Weltstadt. In Berlin ist Europas 20. Jahrhundert auf fast jeder Straße sichtbar. Gleichzeitig gehört die gesellschaftliche Dynamik dieser Metropole eindeutig der Zukunft.“

Daher kommt er auch zu dem Schluss: „Die modernen Olympischen und Paralympischen Spiele verlangen eine Gastgeberstadt, die gleichzeitig von Erinnerung, Vielfalt und Zukunft sprechen kann,. Berlin kann das auf eine Weise leisten, wie es heute nur die allerwenigsten Städte in Europa vermögen. Und in unsicheren Zeiten sind genau das die Spiele, die die Welt jetzt braucht.“