„Sie können schreiben, dass er der beste Trainer der Welt ist“, schreit Julian in den Raum, streckt seine Arme zur Decke und reckt sich aus seiner Trainingsgruppe empor. Alle sollen hören, was er sagt. Dann umarmt der Siebenjährige zusammen mit anderen Kindern den Trainer, der eben zur Tür hereingekommen ist. Eine Szene voller Sympathie und Dankbarkeit. An dieser Stelle könnte der Artikel über Hussein Al Mamoori vielleicht zu Ende sein – Emotionen sagen viel. Aber eben nicht alles.
Hussein Al Mamoori hat sich in kurzer Zeit beim Judo-Verein Kaizen Berlin unentbehrlich gemacht – nicht nur bei den Kindertrainingsgruppen, auch bei den Verantwortlichen des 1.700-Mitglieder-Vereins. Sie sind ständig auf Suche nach qualifizierten Trainerinnen und Trainern für ihre Mitglieder und für die vielen Kooperationen mit Kitas und Schulen. So konnte auch Hussein Al Mamoori bei Kaizen zunächst ehrenamtlich tätig werden. Der 33-Jährige kommt aus dem Irak, lebte einige Zeit in Russland. Der Krieg gegen die Ukraine ließ ihn dann vor zwei Jahren nach Deutschland flüchten und in Berlin nach Arbeit suchen, für die er ausgebildet ist. Er hat an der Universität von Babylon Leibeserziehung und Judo studiert, Medaillen bei den Asienmeisterschaften im Juniorenbereich gewonnen und war sieben Mal arabischer Meister. Als Trainer hat er u.a. für die babylonische Auswahl gearbeitet.
Bei Kaizen leitet er jetzt Nachwuchsgruppen. 16 Kinder schlüpfen an einem Nachmittag nach den Osterferien flink in ihre Judo-Anzüge, lassen sich beim Gürtelschnüren helfen, legen aus kleinen Matten eine große zusammen, spielen „King Kong“ zur Erwärmung und trainieren dann Rolle vorwärts, rückwärts, Fall- und Partnerübungen. Einige haben nach 14 Tagen Ferien vergessen, wie es geht. „Immer über die linke Seite“, wiederholt der Trainer. „Die Kinder müssen erstmal wieder ankommen und sich austoben“, sagt er. Wer an „einen Sack Flöhe hüten“ denkt, irrt. Hussein Al Mamoori ist eine Autorität – die Kinder hören auf ihn. „Sie lernen viel und haben schon einige Medaillen gewonnen, das ist toll zu sehen. Auch von den Eltern bekomme ich positives Feedback“, freut er sich.
Für Kaizen wird er immer wichtiger. So half ihm der Verein, eine Arbeitserlaubnis zu bekommen, bei der Anerkennung der Lizenzen und bei der Wohnungssuche. Seinen Deutschkurs hat er sich selbst organisiert. Inzwischen ist er Vollzeit festangestellt und der Deutsche Judo-Bund hat seine Zeugnisse mit der Trainer-B-Lizenz anerkannt. Dafür ist er dankbar: „Ich konnte gleich feststellen, dass Kaizen ein toller, großer Verein ist – sehr kooperativ, hilfsbereit und offen. Ich habe die Menschen kennen und lieben gelernt. Die Arbeit mit den Kindern und ihren Eltern gefällt mir sehr, wir sind wie eine Familie.“ Auch auf Grund seiner persönlichen Erfahrungen ist Sport mehr als Training für ihn: „Ich möchte den Kindern Zusammenarbeit und Toleranz beibringen. Sie sollen Teil der Gesellschaft werden und sich helfen und unterstützen lernen. Sie sollen selbstbewusste, entschlossene Menschen werden.“
„Er wird immer mehr zu einem wertvollen Trainer“, sagt Kaizen- Geschäftsstellenleiter Lars Sperling. „Deshalb hoffen wir und er, dass seine Arbeitserlaubnis und der Aufenthaltstitel über August hinaus verlängert werden: sowohl aus menschlicher Perspektive als auch aus der Perspektive eines Arbeitsgebers, der bisher sehr viel in die Integration investiert hat.“ Kaizen möchte Hussein Al Mamoori noch mehr Verantwortung im Wettkampfbereich der u15 und u18 geben. Auch als Ansprechpartner und Vorbild für arabisch sprechende Kinder verspricht sich der Verein viel von ihm.
„Wir hoffen deshalb“, sagt Lars Sperling, „dass diese Geschichte nicht im Sommer zu Ende ist.“
Autorin: Angela Baufeld
