In allen Wassern weltweit erfolgreich

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Die Rhein-Ruhr Games beendet, die World Games in China ebenso (2029 in Karlsruhe), aber die Deaflympics stehen vor der Tür und Paula Pichier von den Wasserfreunden Spandau 04 wird bei den Weltspielen im Gehörlosensport dabei sein.

Konsti wird mit nach Tokio reisen. Das Maskottchen hat Paula Pichier bereits zu Wettkämpfen in Argentinien und Brasilien begleitet und der Schwimmerin dabei Glück gebracht. Konsti, abgeleitet von Konstantin, ist ein kleiner Fisch aus Stoff und hat seinen festen Platz an ihrer Sporttasche. Paula freut sich auf das Event in Japan. „Es wird eine coole Zeit sein, die ich da erleben werde. Ich lerne eine neue Stadt kennen, eine neue Kultur und finde auch neue Freunde“. Die Atmosphäre der Deaf-lympics hat sie bereits vor drei Jahren erlebt. Da war sie die Jüngste aller 2400 Teil- aus 73 Nationen und hatte auf fünf Strecken die Finals erreicht.                                                                                             

Im dritten Lebensjahr war bei Paula Pichier ein zunehmender Hörverlust bis zur ab-soluten Gehörlosigkeit festgestellt worden. Deshalb wurden ihr beidseits Implantate eingesetzt, die mit Sprachprozessoren über den Ohrmuscheln verbunden sind und ihr ein weitgehend normales Leben ermöglichen. Bei Wettkämpfen darf sie diese Prozessoren nicht tragen.

Im gleichen Alter lernte sie auch Schwimmen und zeigte sich äußerst talentiert. Nach Seepferdchen und diversen Schwimmabzeichen wurde sie Mitglied im Verein. Bereits als Fünfjährige schwamm Paula ihren ersten Wettkampf. „Mit sieben konnte ich schon schneller schwimmen, als meine Eltern“, grinst sie. Das Brustschwimmen erwies sich schnell als ihre Stärke. „Mit der Schmetterlingslage hatte ich anfangs Probleme, weil ich die Koordination von Armen und Beinen nicht richtig hinbekam“. Mittlerweile zählt der Delphinstil zu ihren liebsten Fortbewegungsarten. Seit 2021 gehört Paula Pichier zum Nationalteam des Deutschen Gehörlosen-Sportverbands. Da bestritt die Zwölfjährige bei der Kurzbahn-WM in Polen ihren ersten internationalen Wettkampf und erreichte vier Endläufe auf den Brust- bzw. Rückenstrecken.

Von da an war die 1,64 große Schwimmerin in jedem Jahr international erfolgreich. Deaflympics 2022, Kurzbahn-WM 2023 wieder mit fünf Finalteilnahmen und die World Deaf Youth Games im vergangenen Jahr. Bei dieser erstmals ausgetragenen Veranstaltung, einem Pendant zu den Olympischen Jugendspielen des IOC, war Paula in Sao Paulo die einzige deutsche Teilnehmerin. Sie gewann Gold über 50 m Schmetterling und 200 m Lagen und holte noch vier Bronzemedaillen.                               

Solche Leistungen setzen ein intensives Training voraus. Dafür bietet ihr die Sportschule im Olympiapark – Poelchau-Schule, wo sie jetzt die 10. Klasse besucht und Mathe als ihr Lieblingsfach bezeichnet, ideale Voraussetzungen. Unterricht und Training sind aufeinander abgestimmt. „Wir haben am Vormittag eine Einheit von 90 Minuten und nach dem Unterricht geht’s am Nachmittag nochmal ins Wasser“, gibt Paula Pichier Einblick in ihren Alltag an dieser Eliteschule des Sports. Mit dem Krafttraining kommt sie auf rund 18 Übungsstunden pro Woche. Macht ihr das Training immer Spaß? „Ich habe schon mal Phasen, wo es nicht funktionieren will, wo ich nicht motiviert bin“, räumt sie ein. „aber irgendwann kommt der Tag, da merkt man, es geht besser als gestern. Und dann ist der Spaß zurück“. Im vergangenen Jahr musste sie auf Grund einer Knieverletzung sogar eine achtmonatige Zwangspause überbrücken. Diese Zeit liegt hinter ihr. Jetzt gilt ihre volle Konzentration den Deaflympics, wo Paula wahrscheinlich über 200 m Schmetterling und 800 m Kraul starten wird. „Mein Fokus ist schon auf eine Medaille gerichtet“, sagt sie selbstbewusst. Mit Konsti im Gepäck sollte ihr das doch gelingen.    

Herbert Schalling