Inklusiv gewinnt - Hoppla, das ist klasse

Service

Karsten Häschel ist seit 2024 Vereinsberater beim Landessportbund Berlin und Beauftragter für Gleichstellung und Inklusion im Berliner Fechterbund. Am 30. August wird er im Luftschiffhafen in Potsdam bei „Inklusiv gewinnt“ wieder mit einem Stand des Berliner Fechterbundes e.V. und dem LSB mit inklusivem Fechten vor Ort sein. Potsdam inklusiv wurde 2023 im Nachklang der Special Olympics Weltspiele erstmals veranstaltet. Mittlerweile wirbt die Reihe auch in Leipzig und Chemnitz für inklusiven Sport und wird organisiert von der Katarina Witt Stiftung

Karsten Häschel, was zeichnet „Inklusiv gewinnt“ aus?

Das Reglement ist sehr spannend. Athletinnen und Athleten der Olympischen, Paralympischen, Deaflympischen und der World Games treten in fair vergleichbaren Wettbewerben gemeinsam an.  Wie funktioniert das? Man nimmt die Bestzeiten, zum Beispiel im Sprint. Die Para-Athlet*innen bekommen dann einen leichten Vorsprung in Anlehnung an ihre durchschnittlichen Bestzeiten. Wer dann zuerst im Ziel ist, hat gewonnen - unter gleichen Rahmenbedingungen. Das Prinzip könnte aus meiner Sicht vorbildhaft sein für eine Weiterentwicklung der Spiele.

Es geht aber doch nicht nur um Leistungssport – oder?

Ganz im Gegenteil, auch wenn es vorrangig um die Idee geht, dass Olympioniken und Para-Sportler*innen gemeinsam in einem Wettkampf antreten können. Das Familienfest und die Angebote der vielen Sportvereine, die vor Ort engagiert sind, bilden praktisch noch mal eine extra Linie und da sind wir vom Landessportbund Berlin und dem Berliner Fechterbund e.V. mit dabei.

Wie kommt es zu diesem Engagement im brandenburgischen Potsdam?

Wir haben einen sehr guten Kontakt zum Stadtsportbund Potsdam und zur Behindertenbeauftragten Tina Denninger. Wir beraten und unterstützen uns gegenseitig. Natürlich motiviert es, so ein Sportfest auch mit unserer Präsenz und mit unseren Ideen zu unterstützen.

Wie lautet dein Fazit bisher?

Da laufen sehr viele Menschen mit „ganz großen Augen und offenem Mund“ über das Gelände. Man spürt das Staunen darüber, das Inklusion ganz einfach sein kann, wenn wir Regel-Anpassungen vornehmen bei den Sportarten, wo das eben möglich ist. Man sieht das bei Inklusiv gewinnt im Fechten oder im Bogenschießen, beim Badminton oder Fußball. 

Die Zusammenarbeit mit Potsdam ergibt für uns in Berlin aber zusätzlich Sinn, weil wir ebenso inklusiven Liga-Sport haben, beispielsweise im Handball oder Sitzvolleyball, aber die Mannschaften sind jetzt nicht in Masse vorhanden. Von daher sind wir daran interessiert, mit einer Nachbarstadt Berlins gemeinsame Wettbewerbe veranstalten zu können, wenn sich das ergibt. Da ist ein  medienwirksames Event ein großartige Bühne, um sich vorstellen zu können.

Was hört ihr denn von den Sportler*innen direkt?

Die sind sehr begeistert von diesem Setting. Sie nehmen das wirklich auch als Olympischen Wettkampf wahr, weil ja tatsächlich die Top-Leistungssportler*innen antreten. Das ist für die Athleti*nnen super spannend. Auch, weil sie nicht nur gegeneinander antreten, sondern in Teams. Beispielsweise beim Kanu, wo Para-Olympioniken und Olympioniken gemeinsam im Boot sitzen und völlig neue Erfahrungen machen. Sie merken, hoppla, das ist Klasse, das funktioniert. Ich persönlich denke, alles, was im Sport innovativ ist und wo wir neue Erfahrungen machen, bringt uns nach vorne.

Der Inklusionssport hat da schon einige neue Trainingsmethoden hervorgebracht oder gar neue Sportarten. Wenn ich das Fechten als Beispiel nenne, ermöglichen die Schaumstoffschläger, die vom Kendo kommen, einen völlig neuen Zugang zum Fechtsport. Weil er völlig ungefährlich ist und dadurch nicht gleich Schutzkleidung, Waffen und Masken notwendig sind. Dieses Jahr waren wir damit auch schon auf verschiedenen Sportfesten erfolgreich unterwegs.

Gab es schon Überlegungen für ein Sport inklusiv in Berlin?

Wir haben uns schon damit beschäftigt, natürlich. Der Inklusionssport hat durch die Special Olympics World Games 2023 einen schönen Schub bekommen. Das spüren wir. Beispielsweise im Wassersport haben wir jetzt sehr viel Sportvereine, die sich da auf den Weg machen. Der Arbeitsgruppe gehören jetzt schon 20 Wassersportvereine an. Insgesamt haben wir jetzt ungefähr 300 plus Sportvereine in Berlin, die sich inklusiv aufstellen.

Verbände und Vereine stellen sich Fragen wie: Wo gibt es Fördermittel? Wie kann ich Barrieren abbauen? Wie kann ich eine inklusive Haltung im Verein erreichen? Mit wem kann ich gegebenenfalls kooperieren? Wir beraten Sie individuell, kostenfrei und umfangreich in persönlichen Gesprächen.