Junges Ehrenamt hat Zukunft

Nachrichten

Tolle Stimmung beim großen „Engagement-Festival im Sport” in der Bildungsstätte der Sportjugend Berlin

Ehrenamt – ein Fremdwort für die Generation Z? Auf jeden Fall nicht für 210 Freiwilligendienstleistende, die zum Engagement-Festival der Sportjugend Berlin (SJB) am letzten Tag der Sommerferien gekommen sind. Sie haben entweder grad ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder einen Bundesfreiwilligendienst (BFD) in einem Sportverein beendet oder sie starten damit zum Schuljahresbeginn in einen neuen Lebensabschnitt. In der Bildungsstätte der Sportjugend Berlin, die sich für einen Tag in ein Festivalgelände verwandelt hat, besuchen sie Workshops, Talkrunden und machen Party. Dabei können die einen von ihren Erfahrungen und Erlebnissen berichten. Bei den anderen legt sich die Aufregung durch neue persönliche Kontakte.

Freiwilligendienste im Sport gibt es seit mehr als 20 Jahren. Junge Menschen engagieren sich nach der Schule in Sportvereinen. Sie unterstützen die Geschäftsstelle, den Trainingsbetrieb, die Betreuung von Sportgruppen, die Organisation von Wettkämpfen und Veranstaltungen. Sie nutzen FSJ und BFD, um Klarheit über ihren Berufswunsch zu bekommen, die Zeit bis zur Ausbildung oder zum Studium sinnvoll zu überbrücken. So wie Niclas Lang. Er berichtet beim Engagement-Festival in der Talkrunde „Sport mit Zukunft“ über sein FSJ beim SFC Berlin Friedrichshain: „Ich konnte hinter die Kulissen gucken, habe viel dazu gelernt – auch sozial und in der Kommunikation. Früher war ich deutlich zurückhaltender, hätte niemals bei einer Talkrunde mitgemacht. Ich hatte Startprobleme, wurde ins kalte Wasser geworfen, aber nach und nach wurde es leichter. Ich habe gelernt: Kleine Probleme gibt es immer überall, aber wenn man Leute an der Seite und Unterstützung hat, wie im Verein, hat man immer die Möglichkeit, die Probleme zu lösen, sie bleiben klein und sind lösbar.“

Wie er haben schon viele hunderte junge Menschen ein FSJ oder ein BFD absolviert. „Aber wie können es noch mehr werden?“, fragte der Moderator der Talkrunde, Söhnke Vosgerau, Leiter der SJB-Bildungsstätte, seine Gäste.

„Es geht vor allem darum, das FSJ sichtbarer zu machen, viele junge Menschen wissen noch nicht, dass es das FSJ gibt und welche Möglichkeiten die Sportvereine bieten, sich durch ein FSJ weiterzuentwickeln“, erklärte Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch. Das Engagement-Festival war eine Station in ihrer „Woche des Sports“, in der sie Einrichtungen und Initiativen des Sports in Berlin besuchte, die in der Bildungs- und Sozialarbeit eine wichtige Rolle spielen. Bei der Talkrunde bekräftigte sie ihr Anliegen, sich weiter für ein verlässliche Zusammenarbeit von Sportvereinen mit Bildungseinrichtungen einzusetzen – von der Kita bis zur Schule. „Wer als Kind einen tollen Trainer hat und erlebt, wie Ehrenamt funktioniert, möchte es später vielleicht genauso machen. „Ehrenamt soll etwas Selbstverständliches sein“, das wünscht sie sich für die Zukunft.

„Das gutbesuchte Engagement-Festival zeigt, dass Freiwilligendienste nicht nur dem Sport etwas bringen, es ist ein Bildungsjahr, in dem sich junge Menschen weiterentwickeln“, sagte Christian Krull, Vorsitzender der Sportjugend Berlin. Noch hätten viele Freiwillige einen akademischen Hintergrund und kommen aus Familien, die ihren Kindern dieses Jahr finanziell ermöglichen können. Deshalb dankte er dem Senat für dessen finanzielle Unterstützung sowie den Ansatz, bürokratische Hürden auch weiterhin abzubauen, zum Beispiel bei der Rückerstattung von Fahrgeldern. Er nannte als weiteren Hürde: „Viele Vereine betreuen die Freiwilligen ehrenamtlich. Das muss man erstmal machen und sich trauen. Das funktioniert dort am besten, wo es Leute gibt, die das Vereinsleben aktiv gestalten – sie unterstützen wir. Wenn ein Trainer gezielt jemanden anspricht, ist das besser als der Aushang am Schwarzen Brett.“

Die Betreuung während des Freiwilligendienstes ist auch deshalb wichtig, um die jungen Menschen im Anschluss an den Verein zu binden. Darüber berichtet Liza Grimke in der Talkrunde, Mitarbeiterin der Sportjugend, früher Spielerin beim 1. FC Union und dort jetzt Trainerin der U17 Juniorinnen. „Die Begeisterung macht es, es liegt an der Einsatzstelle – wie hat sie das Jahr gestaltet. Denn alles, was man mit Spaß und Leidenschaft macht und wofür man brennt, das will man vielleicht weiter machen“, sagt sie. So wie bei Keno Brieger. Er hat sein FSJ beim Verein Weltraumjogger Berlin e. V. in diesem Sommer abgeschlossen und studiert ab Herbst Englisch und Sport auf Lehramt. Trotzdem will er sein freiwilliges Engagement im Sport fortsetzen. „Ich bin als Teamer für die neuen FSJler eingeplant.“

Weitere Informationen zu FSJ und BFD gibt es hier.