Erfolg im Leistungssport beginnt nicht erst auf dem Podium – sondern in einem Umfeld, in dem sich die Sportlerinnen und Sportler sicher, respektiert und geschützt fühlen. Diesem Anspruch stellen sich die Landestrainerinnen und -trainer in ihrer täglichen Arbeit. Die LSB-Teams Leistungssport und Safe Sport unterstützen sie dabei mit regelmäßigen Fortbildungen und Workshops, zum Beispiel bei der jüngsten Veranstaltung zum Thema Kinderschutz. Im Fokus standen Prävention, Handlungssicherheit und die Vermittlung von Fachwissen.
„Unser Ziel ist immer, das Thema Kinderschutz für TrainerInnen und Trainer so aufzuarbeiten, dass sie mit den Informationen und Impulsen im Alltag wirklich etwas anfangen können. Wir wollen zeigen, dass es nicht nur um Verbote geht, sondern darum, wie sie ein gesundes Verhältnis zum Sport und zu sich selbst entwickeln können. Dabei gehen wir auf die Vielfalt der Persönlichkeiten ein und auf Möglichkeiten, wie der Umgang zwischen Trainer*innen, Sportler*innen und Eltern so gestaltet werden kann, dass er der Gesundheit und der Arbeit guttut“, erklärt Ulrike Breitbach. Sie leitete den Workshop gemeinsam mit Angelina Hübner. Beide sind Geschäftsführerinnen und Coaches bei GOLDSPIRIT, einem gemeinnützigen Coaching-Team für mentale und körperliche Gesundheit im Sport. Auf ihrer Homepage heißt es: „Wir begleiten Sportlerinnen und Sportler in allen Phasen ihrer Karriere – mit einem klaren Fokus auf ihre gesamte Persönlichkeit und ihr Wohlbefinden. Für uns ist Sport mehr als Leistung.“
Von dieser Haltung fühlt sich Linus Weber angesprochen. Er arbeitet seit längerer Zeit mit dem Coaching-Team zusammen, um seine Erfahrungen im Leistungssport weiterzugeben. Der 26-Jährige hat am Schul- und Leistungssportzentrum Berlin (SLZB) das Abitur gemacht und seine Erfolgskarriere im Volleyball beim Berliner VC Olympia begonnen. Er schaffte es bis in die Nationalmannschaft, wurde 2017 Vize-Europameister. Inzwischen spielt er im Ausland und wechselt jetzt zu den südkoreanischen KB Stars. Er hat die Nationalmannschaft „ganz bewusst verlassen“, weil er sich nicht mehr wohl fühlte und den Erfolg nicht um jeden Preis wollte, wie er bei dem Workshop berichtete. Er beschrieb verschiedene Typen von Trainern, die ihn im Laufe seiner Karriere auf unterschiedliche Weite positiv und negativ geprägt haben – von der Vaterfigur über den Kontrolleur und Visionär bis zu einem Trainer, der von sich sagte: Ich kann nicht nur lächeln, ich bin immer ernst. Er hoffte trotzdem, seine Sportler würden irgendwann sagen, dass sie etwas von ihm gelernt hätten. „Ja, ich habe etwas von ihm gelernt, aber nicht über die Technik oder den Sport. Ich habe gelernt, einen Schutzpanzer um mich herum aufzubauen“, sagt Linus Weber. Für ihn steht die pädagogische Verantwortung der Trainerinnen und Trainer und ihr Empathievermögen ganz oben auf der Liste der Anforderungen.
In der anschließenden Frage- und Diskussionsrunde haben viele der Trainerinnen und Trainer die Möglichkeit genutzt, ihre eigenen Erfahrungen einzubringen und Fragen zu stellen. Zum Beispiel: „Was mache ich, wenn ich eine Vaterfigur sein möchte, aber die Eltern meiner Sportler mehr Strenge von mir verlangen, weil sie glauben, davon hängt der Erfolg ab?“ In kleineren Gesprächsrunden konnten solche und andere Fragen, die die Trainerinnen und Trainer in ihrem Alltag berühren, besprochen werden.
„Unter Druck entstehen Diamanten – das kann ich nicht mehr hören“, sagte Ulrike Breitbach von GOLDSPIRIT. „Ich möchte mich als Botschafter für mehr Menschlichkeit im Sport einsetzen“, begründet Linus Weber sein Engagement in dem Coaching-Team. „Der Wert eines Menschen hängt nicht von Erfolg oder Misserfolg ab. Jeder hat das Recht, sich gut zu fühlen. Dann verbessern sich auch die Leistungen und wir sind erfolgreicher.“ Davon ist er überzeugt. Sein Schwerpunkt liegt auf Prävention. Von dem präventiven Ansatz geht auch die Physiotherapie-Praxis Iconic Physio GmbH aus – sein zweites Standbein in Potsdam. „Wir haben am Standort des Longevity Campus Jungfernsee ein holistisches Konzept aufgebaut, welches auch viele andere Leistungssportler bereichert“, sagt er.
Ulf Bendrat, Landestrainer Turnen, ging am Ende des Workshops auf ihn zu: „Dein Spirit und deine Einstellung – das ist genau meins, du sprichst mir aus der Seele. Humanität steht im Vordergrund.“ Max von Burkersroda, ebenfalls Landestrainer Turnen, sagte: „Die Veranstaltung war richtig und der Blick über den Tellerrand ist für uns alle wichtig.“ Der Workshop hat erneut deutlich gemacht: Leistungsorientierter Sport und Kinderschutz gehören untrennbar zusammen.
Weitere Infos zum Thema Kinderschutz und interpersonale Gewalt gibt hier.
Angela Baufeld
