LSB Berlin erwartet klares Bekenntnis für Inklusion

Nachrichten

Der Jahn-Sportpark wird zur vollinklusiven Sportstätte umgebaut. Der Senat präsentiert den Fortgang der Bauarbeiten. LSB-Präsident Thomas Härtel unterstreicht die Wichtigkeit einer Bewerbung Berlins für Olympische und Paralympische Spiele.

Herr Härtel, erinnern Sie sich noch an den Sport-Sommer 2023 in Berlin?

Thomas Härtel: Klar, der ist ja erst drei Jahre her. Und es war ein ganz besonderer Sommer für den Sport in Berlin. Es war der Sommer der Special Olympics World Games, einem ganz besonderen Highlight in Berlin, wo wir doch sportliche Höhepunkte schon sehr oft erleben.

Was hat die Weltspiele so besonders gemacht?

Thomas Härtel: Sie haben ganz vielen Menschen gezeigt, welche herausragenden sportlichen Leistungen Menschen mit geistiger und mehrfacher Beeinträchtigung bringen – und mit welcher Begeisterung sie das tun. Die Stimmung in der Stadt war außerordentlich fröhlich. Die Spiele haben Special Olympics ins Bewusstsein der Bevölkerung gebracht. Und damit auch das Thema Inklusion.

Dabei fanden die Leichtathletik-Wettbewerbe im Olympiapark statt und nicht wie bei der Bewerbung für die Weltspiele geplant im Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark…

Thomas Härtel: Und sie waren im Olympiapark ein voller Erfolg. Die Sportler*innen und Sportler haben sich dort sehr wohl gefühlt. Aber ja, es war anders geplant und das zeigt, wie wichtig es ist, dem Sport und dem Inklusionssport im Besonderen bei politischen Entscheidungen den Stellenwert einzuräumen, den er durch seine besondere Bedeutung für unser gesellschaftliches Zusammenleben ohnehin schon hat.

Bitte erläutern Sie das näher.

Thomas Härtel: Der Jahn-Sportpark wird jetzt endlich zum ersten wirklich vollinklusiven Sportstadion in Berlin. Mit langjähriger Verspätung, dennoch wird dies ein Leuchtturm in unserer Stadt. Aber wir bräuchten eine solche Sportstätte in jedem Bezirk. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Solche Vorhaben müssen finanziert werden. Angesichts des Sanierungsstaus für Sportstätten in Berlin von mehr als einer Milliarde Euro müssen wir sehen, wo und wie zusätzliche finanzielle Mittel zu generieren sind.

Wir werden in der kommenden Legislaturperiode ganz sicher erleben, dass um den Haushalt gerungen werden wird. Zusätzliche Mittel könnten aus einer Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele kommen, Gelder vom Bund, die Berlin ohne die Bewerbung oder die Spiele nicht erhalten wird. Deshalb ist es für uns im Sport unerklärlich, sich gegen eine Bewerbung auszusprechen und damit Chancen von vornherein zu vergeben.

In der Bewerbung ist eindeutig auch festgeschrieben, dass der Inklusion integraler Bestandteil ist. Wir sind überzeugt, dass Prozesse dadurch beschleunigt werden. Anders gesagt: Mit einer Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele wird das Jahn-Stadion schneller zu einer beispielhaften inklusiven Sportstätte – zum Wohl ganz Berlins.

Inwiefern verbessert der Jahn-Sportpark die Situation in Berlin nun genau?

Thomas Härtel: Zum ersten zeigt der Neubau, dass es geht, Inklusion im Sport wirklich bis ins Detail zu denken. Nicht nur für die Sportler*innen sondern auch für die Zuschauenden und auch die Anwohner*innen. Der Jahnsportpark soll ja nicht nur ein Schauplatz werden für große Sportereignisse und Ligaspiele. Das Gelände soll auch Platz bieten für umliegende Sportvereine, Projekte und Menschen, die allgemein Sport treiben wollen – und das weitmöglichst barrierefrei. Wir alle werden aus der Umgestaltung des Jahn-Sportparks unsere Lehren ziehen können. 

Der Landessportbund Berlin wird sich dafür einsetzen, dass diese auch in den nächsten Jahren zum Tragen kommen werden. Die Mehrheit des jetzigen Berliner Abgeordnetenhauses hat die Forderungen der Volksinitiative des LSB für die Bewerbung für die Olympischen und Paralympischen Spiele sich in einer Entschließung zu eigen gemacht. Dazu gehört auch, dass der Sport in seiner Vielfalt für alle gesellschaftlichen Gruppen gefördert wird. Ein klares Bekenntnis, das wir auch vom zukünftigen Senat erwarten.