Ohne Ehrenamt kein Vereinssport. „Aber ehrenamtliches Engagement stagniert, während die Mitgliederzahlen wachsen. Da klafft eine Lücke. Deshalb müssen wir uns um die Personalentwicklung kümmern und Strategien entwickeln“, erklärte LSB-Vizepräsidentin Claudia Zinke zu Beginn der jüngsten von mehreren LSB-Veranstaltungen zu diesem Thema. 60 Vereins- und Verbandsvertretende waren zu „Ehrenamt mittendrin – Engagement im Berliner Sport“ in die Gerhard-Schlegel-Sportschule gekommen – für Anregungen und den Erfahrungsaustauch.
Das Moderatorenteam Susanne Amar, Kommunikationsexpertin, und Gerd Thomas, 1. Vorsitzender des FC Internationale Berlin 1980 e. V.. befasst sich schon lange mit dem Thema. Ein Ergebnis ihrer Arbeit ist das Buch Ehrenamt mittendrin. Für diesen Abend hatten sie sich etwas anderes ausgedacht: ein „Museum fürs Ehrenamt“: Anhand kleiner Exponate machten sie Herausforderungen und Handlungsempfehlungen ganz plastisch deutlich: Ein Handy als Symbol für Kommunikation, denn viele Menschen wissen noch gar nicht, was Ehrenamt bedeutet. Ein „Wir suchen dringend“-Flyer mit Infos, für welche konkreten Aufgaben Hilfe im Verein gebraucht wird. Ein „Old School“-Shirt mit Porträts älterer Menschen – ihre Erfahrungen und die Impulse der Jüngeren machen Vereine fit für die Zukunft. Eine „Dankeschön-Schokolade“, weil Wertschätzung ein Hauptmotiv für Engagement ist. Ein „Einer muss den Job ja machen“-Shirt – als Botschaft dafür, dass Aufgaben nicht nur auf einer Schulter liegen dürfen, sondern verteilt werden müssen. Ein kleiner Hubschrauber – Symbol für Helikopter-Eltern als potentielle Ehrenamtliche, wenn ihnen gesagt wird, wie sie den Verein unterstützen können, der kein Dienstleistungsbetrieb ist.
Auch die Diskussionsrunde mit der Ehrenamtlichen des Jahres, Lykka Maibaum von der FSV Hansa 07, und Robert Zoch, 1. Vorsitzender FSV Berolina Stralau 1901, war voller Ideen, Impulse und Beispiele für die Stärkung des Ehrenamts: Bei Hansa werden gezielt junge Spielerinnen geworben, um das Kinder-Training zu übernehmen. Zwischen den Generationen herrscht Vertrauen und Miteinander, weil Ältere und Jüngere bereit sind, Neues voneinander aufzunehmen. „Der Weg führt weg von der Unterscheidung Jung und Alt – hin zu viel Erfahrung und wenig Erfahrung. Wenn man es schafft, dieses Mindset zu leben, schafft man ein gutes Miteinander“, so Lykka Maibaum.
FSV Berolina Stralau 1901 beschäftigt sich seit drei Jahren intensiv mit der Gewinnung von Ehrenamtlichen. Es wurde ein Extra-Team Kommunikation aufgebaut. „Was auf dem Spielfeld passiert, weiß jeder. Aber der Vorstand und andere Ehrenämter agieren wie hinter einer Milchwand. Man sieht Schatten, aber nichts Genaues. Wir haben inzwischen ein Hauptamt eingerichtet, das extra die Aufgabe hat, Ehrenamtliche zu gewinnen. Und wir haben schon Ehrenamtliche gewonnen, auch jüngere, “, berichtete Robert Zoch.
Die Vereins- und Verbandsvertretenden trugen in Arbeitsgruppen ihre Gedanken und Erfahrungen als Antworten auf drei Fragen zusammen: Bei der Frage „Was sind ehrenamtliche Aufgaben im Verein?“ stellten sie fest: Neben Wahlämtern sind es oft konkrete, zeitlich begrenzte Aufgaben, die erledigt werden müssen, z. B. die Vorbereitung der Jahreshauptversammlung oder die Mahnung der Säumigen beim Vereinsbeitrag. Solche Jobs zu übernehmen, ist oft attraktiver, als sich in ein Amt wählen zu lassen. Bei der Frage „Wie animiere ich Menschen, sich zu engagieren?“ stellten sie fest, dass vor allem die persönliche Ansprache erfolgversprechend ist – bei Menschen, die selbst in einem Verein groß geworden sind und später als Erwachsene aus Dankbarkeit etwas zurückgeben wollen, oder bei Eltern, die besondere Qualifikationen haben, die im Verein gebraucht werden, zum Beispiel in den Bereichen Finanzen, Organisation oder Öffentlichkeitsarbeit. Bei der Frage „Welche Strukturen, Werkzeuge helfen, Ehrenamtliche zu finden?“ wurde vor allem klar, dass Kommunikationstools wie eine App hilfreich sind, dass Aufgaben klar definiert werden müssen und dass Förderanträge so einfach wie möglich gestaltet sein müssen.
Es gibt viele Ideen zur Stärkung des Ehrenamts – allein in den Arbeitsgruppen wurden mehr als 250 kleine Kärtchen beschrieben und an die Pinnwände geheftet. Konkrete Ideen wurden gleich mit nach Hause genommen: Eine Elternseite auf der Vereinshomepage einrichten – wie beim FSV Berolina Stralau 1901. „Das mach ich gleich übermorgen“, so eine Teilnehmerin. Oder mehrere Arbeitsgruppen ins Leben rufen – zur Entlastung des Vorstands. Oder größere in kleinere Aufgaben aufteilen – dafür lassen sich eher Engagierte finden.
„Studien zeigen: Das Potential für Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren wollen, ist groß, wir müssen sie nur erreichen“, sagte Karlos El-Khatib vom LSB-Kompetenzzentrum für Vereins- und Verbandsentwicklung. „Ehrenamtsförderung heißt viel Arbeit. Nehmt euch nicht zu viel vor. Formuliert Ziele, die erreichbar sind. Seid geduldig mit euch selbst und dem Gegenüber. Auch im Sport muss man üben und trainieren, auch mal einen Schritt zurückgehen, genau hingucken und nochmal losgehen. Nicht aufgeben.“ In dem Sinne stellte er das neue LSB-Förderprogramm „Coaching“ vor. Es soll die Engagement- und Organisationsentwicklung weiter voranbringen. Vereine können sich um die Teilnahme bewerben.
Kontakt: Karlos El Khatib, Referent Verbands- und Engagemententwicklung, Karlos.El-Khatib@lsb-berlin.de oder Tel. +49 30 30002-260
Hier gibt's die Zusammenfassung der Veranstaltung.
