Qualifizierung motiviert und stärkt Zufriedenheit

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Was der neueste Sportentwicklungsbericht über Berlin aussagt

Wie wichtig etwas ist, merkt man meistens erst dann, wenn es nicht mehr da ist. So war es zum Beispiel in diesem Winter mit dem Vereinssport, der nach starken Schneefällen für ein paar Tage auf Eis gelegt wurde: In Neukölln blieben Turnhallen geschlossen. Der Berliner Fußball-Verband sagte die Spiele der Amateurvereine ab. Die Aufregung war groß. Etwas Selbstverständliches war plötzlich nicht mehr möglich. „Sportvereine sind von zentraler gesellschaftlicher Bedeutung“, sagt Dr. Svenja Feiler. Sie ist Mitautorin des neuesten Sportentwicklungsberichts, der im Auftrag des Bundesinstituts für Sportwissenschaft in Zusammenarbeit mit dem DOSB und den Landessportbünden entstand. Auf einer digitalen Veranstaltung mit Berliner Vereins- und Verbandsvertretern erläutert sie die wichtigsten Ergebnisse aus Berliner Sicht vor. Sie basieren auf einer Online-Befragung von Vereinen und Einzelpersonen (Vorstandsmitglieder, Übungsleitende und Trainer*innen) zwischen 2023 und 2025.

In Berlin gibt es einen „sehr zufrieden stellenden Rücklauf“, so Svenja Feiler. 443 Berliner Sportvereine haben sich an der Vereinsumfrage beteiligt. Sie geben an, insbesondere Orte der Gemeinschaft zu sein und darauf besonderen Wert zu legen „Damit sind sie ein Gegenpol zu Tendenzen von Individualisierung. Im Verein – da steckt ein ganz anderes Gefühl dahinter. Das geht über die Bedeutung des Sports hinaus“, sagt die Wissenschaftlerin.

Positiv sei, „dass die Vereine Wert darauflegen, Bisheriges zu verbessern und offen sind für Neues“. Sie vergleicht einige Punkte mit dem Bundesdurchschnitt: Berliner Vereine engagieren sich stärker für Geflüchtete, Menschen mit Migrationshintergrund und einkommensschwache Personen. Etwas schwächer sind sie im Gesundheits- und Seniorensport, Mädchen- und Frauensport. Besonders stark setzen sie sich für Kinderschutz und Prävention sexualisierter Gewalt ein, während ihr Engagement im Kinder- und Jugendsport etwas schwächer ist als im Bundesdurchschnitt. Der Anteil der Vereine in Berlin, die Kooperationen mit Kitas oder Schulen anbieten, liegt etwas unter dem Bundestrend. Eine starke Ablehnung besteht beim Thema E-Sport.

Beachtlich sind die Ergebnisse im Bereich Ehrenamt: In den Berliner Vereinen engagieren sich im Durchschnitt 23 Personen ehrenamtlich. Die Zahl entspricht, so Svenja Feiler, ungefähr dem Bundesdurchschnitt. Sie rechnet vor: „Wenn man die Berliner Zahl hochrechnet, sind es knapp 55.000 Personen, die sich ehrenamtlich in einer festen Position engagieren – im Vorstand oder im Trainingsbetrieb. Hinzu kommen die Freiwilligen, die Fahrdienste übernehmen oder Kuchen backen – kein festes Amt haben, aber sich kontinuierlich engagieren. Das sind in Berlin rund 171.000. Eine bemerkenswerte Zahl.“

An der Personenumfrage im Rahmen der Studie haben 128 Vertreter*innen aus 32 Vereinen teilgenommen. Sie nennen Spaß an der Tätigkeit als einen der wichtigsten Gründe, warum sie sich ehrenamtlich engagieren. Genannt werden außerdem eine persönliche Sinnstiftung und das gute Gefühl, eigenes Wissen weiterzugeben zu können, damit andere davon profitieren können. Bei den Trainer*innen kommt eine Verbundenheit mit der Sportart hinzu und bei den Vorstandsmitgliedern der Wunsch, etwas für die Gesellschaft zu tun. Svenja Feiler betont, was schon bei der letzten Befragung vor sechs Jahren deutlich geworden ist: Finanzielle und materielle Anreize spielen für die Motivation kaum eine Rolle.  

Im Gegensatz dazu hat die Qualifizierung eine entscheidende Bedeutung für die Bindung an den Verein. „Wenn Trainer und Übungsleiter oder Ehrenamtliche qualifiziert sind, dann sind sie motivierter und zufriedener und bleiben dem Verein auch länger treu“, stellt die Wissenschaftlerin fest.

Mit dem Thema Qualifizierung beschäftigt sich der Landessportbund Berlin schon länger sehr intensiv und verstärkt weiter seine Anstrengung auf diesem Gebiet, wie die LSB-Leiterin Bereich Sport, Anke Nöcker, berichtet. Sie verweist u. a. auf die Coachings für Vereine im Bereich Engagement.

Svenja Feiler empfiehlt, im Verein eine Person für Aus- und Weiterbildung zu benennen. „Es hat sich gezeigt: Wenn es so eine Person im Verein gibt, ist die Weiterbildungsbereitschaft oder generell die Qualifizierungsbereitschaft bei den potenziellen Ehrenamtlichen höher.“

Sie nennt weitere Erfolgsfaktoren: mehr Frauen in der Vorstandsarbeit, Kinder und Jugendliche früh an das Ehrenamt heranführen und ihnen Beteiligungsmöglichkeiten geben sowie bezahlte Mitarbeitende in den Geschäftsstellen, um Ehrenamtliche zu entlasten. „Der LSB fördert deshalb hauptberufliche Verwaltungskräfte für Vereine ab 1.000 Mitglieder und wird sich weiter mit dem Thema Förderung des Hauptamts beschäftigen“, so Anke Nöcker.

Klar ist, wie Svenja Feiler formuliert: „Die reine Traditionsorientierung, dieses Wir-haben-das-immer-schon-so-gemacht-und-wir-machen-das-auch-weiter-so ist nicht der beste Schlüssel, um Problemen entgegenzuwirken.“

Angela Baufeld

Der gesamten Sportentwicklungsbericht für Berlin steht hier.

Tipps und Hinweise auf kommende Veranstaltungen:

• Gesunde Lebenswelt Sportverein – ein Pilotprojekt von DOSB, LSB Berlin und LSB Hessen

Hier geht es zu weiteren Informationen und zur Anmeldung zum Projekt im Blended-Learning-Format, Start 30.03.2026.

• Gesundheitsforum 2026:  Bewegung ist Herzenssache - Auswirkungen von Sport und Bewegung auf das Herz-Kreislauf-System

Das Forum für Übungsleitende, Ärztinnen und Ärzte und alle Interessierten mit Vorträgen und Workshops rund ums Thema Herz.

18.04.2026 von 09:00 Uhr bis 15:30 Uhr in der Gerhard-Schlegel-Sportschule

Hier geht es zur Abmeldung für das LSB-Gesundheitsforum 18.04.2026

• Kurz + Gut Schulung Ehrenamt im Sportverein

Freiwillig engagierte Menschen sind die wichtigste Personalressource im Verein! Hier erfahren Sie mehr über erfolgreiche Engagementstrategien.

• Aktiv und fit im Alter – die LSB-D-Lizenz für Bewegung und Sport mit älteren Menschen

Für alle, die schon bald eine Gruppe mit Älteren anleiten wollen, gibt es hier die perfekte Grundlagenausbildung:

• Sie wünschen eine persönliche Vereins- oder Verbandsberatung?

Dann können Sie hier einen Termin vereinbaren. Das Kompetenzzentrum Vereins- und Verbandsentwicklung freut sich auf Ihre Kontaktaufnahme:

Link zu den von Svenja Feiler im Vereinsdialog angesprochenen Positionspapieren zum Wert des Sponsorings der Vereinigung Sportsponsoring-Anbieter: