Der Vereinssport in Deutschland verzeichnet mit über 28 Millionen Mitgliedschaften in rund 86.000 Sportvereinen einen historischen Höchststand. Dieses Wachstum unterstreicht die immense Bedeutung von Sportvereinen als Orte der Gemeinschaft, Solidarität und demokratischen Teilhabe, stellt ihn aber auch vor Herausforderungen.
DOSB-Präsident Thomas Weikert stellt fest: „Sportvereine sind enorm wichtige Institutionen, die uns als Gesellschaft zusammenhalten und verbinden. Diese Orte gibt es heute leider nicht mehr oft. Deshalb müssen Sportvereine unbedingt gestärkt werden, damit sie diese Aufgaben wahrnehmen können, sonst macht es bald niemand mehr. Es mangelt schon jetzt leider an Menschen, die sich engagieren, und an modernen Sportstätten, in denen man sich gerne trifft. Ohne diese wichtigen Rahmenbedingungen können Vereine ihre Arbeit schlicht nicht leisten.“
Besonders hoch bewerten die Vereine ihren Beitrag im Bereich Kinder- und Jugendsport. Zugleich engagieren sich immer mehr Vereine in gesellschaftlichen Themen wie Gewaltprävention oder Flüchtlingshilfe – ein Zeichen ihrer erweiterten Verantwortung im sozialen Gefüge.
Wichtige Ergebnisse des 9. Sportentwicklungsberichts
Gesellschaftliche Bedeutung der Sportvereine
- Sportvereine verstehen sich zunehmend als Solidargemeinschaften (Mittelwert 4,30 auf 5er-Skala) und legen hohen Wert auf Gemeinschaft (4,55), demokratische Beteiligung (4,23) sowie Engagement im Kinder- und Jugendsport (4,02).
- Bereiche wie Seniorensport, Mädchen- und Frauensport sowie Inklusion oder Umwelt- und Klimaschutz erhalten im Vergleich geringere Priorität.
Strukturelle Merkmale
- Nur 10 % der Vereine betreuen KaderathletInnen
- 8 % der Vereine sind als Träger der freien Jugendhilfe anerkannt – ein Potenzial, das in Berlin durch gezielte Programme ausgebaut werden könnte.
Angebote
- 33,9 % der Vereine bieten Programme mit Gesundheitsbezug an; ein leichter Rückgang gegenüber 2020.
- 21,1 % haben spezielle Angebote für Geflüchtete – deutlich mehr als 2015.
- Kooperationen mit Schulen (29,5 %) und Kitas (15,1 %) sind rückläufig
Ressourcen und Personal
- Ehrenamt bleibt kritisch: Insgesamt 8,3 Mio. Menschen engagieren sich ehrenamtlich oder freiwillig, jedoch mit rückläufigem Anteil junger Engagierter (<30 Jahre: -20 %).
- Mangel an Ehrenamt bereitet 59 % der Vereine große Sorgen. 17,5 % bezeichnen die Situation als existenzbedrohend
- Frauen stellen weiterhin einen geringeren Anteil ehrenamtlich Aktiver, was auf strukturelle Barrieren hinweist.
- Bezahlte Führungspositionen existieren nur in etwa 5 % der Vereine
Sportstätten und Infrastruktur
- 41 % der Vereine verfügen über eigene Anlagen. 62 % nutzen kommunale Anlagen, wovon knapp die Hälfte Gebühren zahlt.
Finanzen
- Mitgliedsbeiträge bleiben niedrig: Median für Erwachsene liegt bei 10 € pro Monat.
- 73 % der Vereine wirtschaften mindestens ausgeglichen.
- Haupteinnahmequellen: Mitgliedsbeiträge, Spenden, kommunale Zuschüsse.
- Hauptherausforderungen bleiben Energiekosten, Rückgang bei geselligen Veranstaltungen (Pandemie-Nachwirkungen) und stagnierende öffentliche Förderung.
Der Sportentwicklungsbericht 2023 - 2025 bietet einen umfassenden Einblick in die aktuelle Lage der Sportvereine in Deutschland – mit spezifischen Handlungsfeldern für Berlin. Basierend auf der bisher größten Vereinsbefragung dieser Art – knapp 19.000 Sportvereine nahmen teil.
Der Bericht wurde in Auftrag gegeben vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) gemeinsam mit dem Bundesinstitut für Sportwissenschaft sowie den 16 Landessportbünden am 12. Mai 2025 veröffentlicht.
