Von 1936 bis 2036: Expert*innen sehen großes Potenzial für Brückenschlag

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Darf Berlin sich um die Spiele 2036 bewerben? Die klare Meinung beim Experten-Talk der Deutschen Olympischen Gesellschaft: eindeutig Ja!

Noch 10 Jahre bis 2036, noch 10 Jahre bis zu den Olympischen Spiele 2036, und eines steht jetzt schon fest: Egal, wo die Olympischen und Paralympischen Spiele dann stattfinden – es geht dann auch wieder um Berlin und die Spiele im Nationalsozialismus von 1936. Was bedeutet das nun für Berlin? Was für die Berliner Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele? Wie lässt sich der Verantwortung gerecht werden? Diese und andere Fragen prägten einen sehr intensiven und interessanten Abend beim Format „Olympia hautnah“ der Deutschen Olympischen Gesellschaft Landesverband Berlin im Manfred von Richthofen-Haus des LSB. Weil das Interesse so groß war, füllten die Teilnehmenden den großen Saal, der passenderweise den Namen Pierre de Coubertins trägt.

Zunächst: Um sich den Spielen von 1936 zu nähern, ist kein Aufstieg aus dem tiefen Tal nötig, sondern die ist die Annäherung schon von einer Anhöhe aus möglich, denn „in der Sportgeschichte gibt es kein Thema, das so gut erforscht ist wie die Spiele von 1936“, wie Sporthistoriker Dr. Berno Bahro von der Universität Potsdam sagte. Er wurde ebenso wie Veronika Nahm, die Direktorin des Anne-Frank-Zentrums, und Alfi Goldenberg, Vizepräsident von Makkabi-Deutschland nach der Berliner Bewerbung gefragt, die das Jahr 2036 einschließt.

Die Perspektive fiel bemerkenswert einig aus: Alle sahen den Brückenschlag zu den Spielen 1936 als Chance, um Veränderungen in Deutschland und die Orientierung an Werten wie Vielfalt, Demokratie und Respekt zu stärken. „Das hat großes Potenzial“, sagte Bahro. Auch in Bezug auf die Sichtbarkeit für jüdische Sportlerinnen und Sportler, wie Alfi Goldenberg betonte: „Woanders würde das 2036 auch eine Rolle spielen, aber eher beiläufig. In Berlin dagegen würde das im Zentrum stehen.“

Veronika Nahm, deren Organisation jedes Jahr 200.000 Kinder und Jugendliche erreicht, sieht im Berliner Bewerbungskonzept „gute Ansätze. Es ist inklusiv und fokussiert sich auch auf die Kinder“. Das ist für sie nicht zuletzt deshalb wichtig, weil öffentliche Aufmerksamkeit für ein Thema die pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen erleichtern kann. Christopher Krähnert, der Präsident der DOG Berlin, kam bei der von Dr. René Wiese vom Zentrum deutsche Sportgeschichte moderierten Veranstaltung zu der Einschätzung: „Die Diskussion zeigt, dass die Spiele 2036 gerade in unserem Land durchaus passend wären.“

Ein Wort zog sich noch durch die Debatte, das LSB-Direktor Friedhard Teuffel aus einer vorangegangenen Diskussionsveranstaltung mit Gedenkstätten eingebracht hatte: „Die Mahnung der Gedenkstätten in Bezug auf mögliche Spiele 2036 in Berlin war: Versucht bloß nicht, Erinnerungsweltmeister zu werden.“  Auch dazu hat Veronika Nahm eine klare Haltung: „Wir können uns nicht auf die Schulter klopfen.“ Denn Geschichte sei nie erledigt, im Gegenteil: „Jede Generation stellt immer wieder neue Fragen an die Geschichte.“ Es gehe daher um eine angemessene Erinnerungskultur.

Am Ende der Veranstaltung holte Alfi Goldenberg alle mit einem eindringlichen Plädoyer zurück in die Gegenwart: „Wir befassen uns viel mit der Vergangenheit. Aber wir müssen alles dafür tun, dass Jüdinnen und Juden heute sicher und ohne Angst in Deutschland leben und auch ihren Sport treiben können.“