„Was alles nicht geht, hält uns klein“

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Freiburger Kreis in Berlin: Mutig und selbstbewusst magische Grenzen überwinden

Sporttreiben oder über Sport reden? Beides geht nicht beim Frühjahrsseminar 2026 des Freiburger Kreises. Nur sechs von den rund 200 Teilnehmenden melden sich auf die Frage des Moderators, wer beim morgendlichen Lauftreff war. Aber groß ist ihr Interesse daran, worüber die Arbeitsgemeinschaft großer deutscher Sportvereine drei Tage reden will. Der Saal ist voll besetzt. Im Hotel am Rohrdamm steht „Mitarbeitergewinnung im Großsportverein: Vom Recruiting bis zur etablierten Fachkraft“ auf der Tagesordnung. Ausrichtender Verein ist der SC Siemensstadt Berlin e. V., der im letzten Jahr seinen 125. Geburtstag feierte und mit mehr als 7.000 Mitgliedern zu den größten Sportvereinen in Berlin gehört.

Geschäftsführer Jens-Uwe Kunze stellt als Gastgeber seinen Verein vor – mit dem multifunktionalen Sport Centrum, das der SC Siemensstadt im Auftrag und mit finanzieller Unterstützung des Senats betreibt. Für den Betrieb werden zahlreiche haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende beschäftigt. „Wie das genau funktioniert, was Jens-Uwe Kunze berichtet hat, ist sehr interessant für uns“, sagt Jochen Hanz, Geschäftsführer der Schwimm-Gemeinschaft (SG) Neukölln. „Wir haben ein ähnliches Betreibermodell. Nur dass unser Betreibervertrag mit den Berliner Bäder-Betrieben abgeschlossen ist“, so Hanz.

In der Podiumsdiskussion geht es konkret um Gewinnung von Mitarbeitenden. Für Boris Schmidt, Vorstandsvorsitzender des Freiburger Kreises, steht fest: „Jeder Sportverein sucht qualifiziertes, gutes Personal. Und gutes Personal muss auch gut bezahlt werden. Klassische Vereine finanzieren sich zu 90 Prozent aus Mitgliedsbeiträgen. Bei der Mitgliederversammlung wird zwei Stunden über 50 Cent Beitragserhöhung diskutiert. Der Sport verkauft sich zu billig“, sagt er. Er ist hauptberuflich Geschäftsführer der TSG Bergedorf. Der Verein hat 11.000 Mitglieder und ist Träger von mehreren Sport- und Bewegungskindertagesstätten und Jugendeinrichtungen. Außerdem ist er in der ganztägigen Bildung und Betreuung an Schulen aktiv. „Wir haben die höchsten Mitgliedsbeiträge in Hamburg. Aber es hat noch kein Mitglied den Verein verlassen, weil die Beiträge zu hoch sind. 500 Kinder kommen über BuT, das Bildungs- und Teilhabepaket für einkommensschwache Familien in den Verein“, berichtet er. In seinem Verein, der durch das Engagement in Kitas und Schulen staatliche Gelder akquiriert, machen Mitgliedsbeiträge nur noch 20 Prozent des Etats aus. Er sagt, der Staat werde sich in den nächsten Jahren darauf konzentrieren, Daseinsvorsorge zu finanzieren, und dazu gehören Bereiche wie Bildung und Gesundheit. „Wir müssen uns also überlegen, wie wir stärker in diese Bereiche kommen, damit wir sozusagen auch mehr Erträge erwirtschaften. Dann können wir unsere Mitarbeiter besser bezahlen und sie gehen nicht weg, wenn sie von einem Fachverband ein besseres Angebot bekommen. Wir müssen selbstbewusster auftreten. Das ist für mich die größte Herausforderung. Wir müssen daran arbeiten, dass Sport in die Daseinsvorsorge kommt.“    

Positiv über die Zukunft denken, magische Grenzen überwinden, mehr agieren als reagieren – das war auch die Botschaft von Stephan Westermann vom Hamburger Beratungsunternehmen Devon Sport. Er nannte drei Beispiele – aus Sport, Musik und Wirtschaft –, wie große, schöne Ziele erreicht werden können, wenn Hindernisse weggeräumt und an die eigene Idee glaubt wird. Roger Bannister aus Großbritannien wollte als Erster die englische Meile unter vier Minuten laufen. Er trainierte vor allem auch sein Unterbewusstsein, lief immer wieder die Strecke im Geist. Am 6. Mai 1954 brach er mit 3:59,4 min den Weltrekord und löste eine Bewegung aus: Noch im selben Jahr rannten drei weitere Läufer die Meile unter vier Minuten. Dem Musiker Fabio Zaffagnini ist es 2015 gelungen, die Foo Fighters zu einem Konzert in seine kleine italienische Heimatstadt zu holen. Er versammelte 1000 Musiker, die die Rockband mit einem Video auf YouTube in die Stadt lockten. „Das ging über jede Vorstellung hinaus“, wird er in Medien zitiert. Das dritte Beispiel kannten alle im Saal: Steve Jobs, Mitgründer von Apple.

„Was alles nicht geht, hält uns klein. Wir nehmen den großen Schritt“, so Stefan Westermann. „Gibt es jemanden, der uns unsere Idee wegnehmen kann? Was wir im Kopf haben, sind unsere Grenzen. Kann eine Idee zu groß sein, dass jemand sagt, wir machen das nicht.“ In seiner Schlussbemerkung tippt er den Bewerbungsprozess um die Olympischen und Paralympischen Spiele in Deutschland an. Das Gute an der Bewerbung ist jetzt schon, wie es Otto Fricke, Vorstandsvorsitzender des DOSB, in seinem Grußwort auf der Tagung formuliert: „Sport ist in aller Munde. Wir nutzen die Bewerbung als Möglichkeit, Aufmerksamkeit auf die sportlichen Belange zu lenken.“ Mit welcher Stadt bzw. Region sich Deutschland um die Spiele 2036, 2040 oder 2044 bewirbt, entscheidet die DOSB-Mitgliederversammlung am 26. September. Sie wird in der ARD live übertragen.

Weitere Links und Hinweise:

• Neues Förderprogramm für ehren- und hauptamtliche Vereinsmanager*innen: Hier geht es zu den Infos. 

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• Die nächste „Fit für den Vorstand“-Schulung beim LSB Berlin findet am 16. November 2026 statt. Hier geht es zur Anmeldung.