Wie Fundraising und Unternehmenskooperationen die Vereine voranbringen können

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LSB-Diskussionsveranstaltung mit Vereinen und Verbänden: Warum der Sport selbstbewusst Ideen für Crowdfunding, Sponsoring und Partnerschaften entwickeln kann

Wie können Sportvereine und -verbände ihre Projekte finanzieren und Partnerschaften mit Unternehmen aufbauen? Welche Stärken bringt der organisierte Sport mit? Und was müssen Sportorganisationen tun, um für Unternehmen interessant zu sein?

Diesen Fragen widmete sich die Veranstaltung „Fundraising und Kooperationen im Berliner Sport“. Rund 40 Vertreter*innen aus Verbänden und Vereinen kamen in den Räumen der Berlin Hyp zusammen, um Finanzierungswege kennenzulernen, Erfahrungen auszutauschen und Ideen zu entwickeln. Eingeladen hat das Kompetenzzentrum für Vereins- und Verbandsentwicklung des LSB Berlin.

Der Sport stärkt die Lebensqualität der Stadt und den Wirtschaftsstandort Berlin

Im Mittelpunkt der Podiumsdiskussion stand zunächst die Bedeutung des organisierten Sports für die Stadt. Sportvereine und -verbände schaffen Orte der Begegnung, fördern Gesundheit und gesellschaftliche Teilhabe und tragen dazu bei, dass Menschen sich in ihrer Stadt und ihrem Kiez zu Hause fühlen. Damit ist der Sport auch für den Wirtschaftsstandort Berlin von großer Bedeutung. Unternehmen sind auf eine lebenswerte Stadt, gesunde Mitarbeitende und attraktive Angebote für ihre Teams angewiesen. Sportorganisationen können hierfür passende Zugänge, Projekte und Formate anbieten.

Eine besondere Stärke des Sports liegt in seiner Emotionalität. Vereine und Verbände schaffen Gemeinschaft, persönliche Verbindungen und besondere Erlebnisse. Sie erreichen Menschen unmittelbar und schaffen Momente, die langfristig in Erinnerung bleiben – ein wichtiges Potenzial für die Zusammenarbeit mit Unternehmen.

Eigene Stärken kennen und selbstbewusst vermitteln

Gleichzeitig wurde deutlich, dass es für Vereine und Verbände schwieriger geworden ist, finanzielle Unterstützung aus der Wirtschaft zu erhalten. Sponsoringbudgets stehen zunehmend unter Druck. Für Sportorganisationen entsteht die Herausforderung, ihre Ansprache weiterzuentwickeln und neue Formen der Zusammenarbeit zu erschließen.

Ein zentraler Rat des Abends lautete deshalb: Gut vorbereitet in Gespräche gehen und die eigenen Stärken kennen. Vereine und Verbände sollten nicht nur darstellen, welchen Finanzierungsbedarf sie haben. Sie sollten deutlich machen, was sie einem Unternehmen anbieten können:

• Zugang zu bestimmten Zielgruppen und Gemeinschaften

• lokale Verankerung im Kiez

• Angebote für Mitarbeitende und Unternehmensteams

• gesellschaftliche Wirkung und Glaubwürdigkeit

• emotionale Geschichten und besondere Erlebnisse

• konkrete Projekte mit sichtbarem Nutzen

Aus einer Bitte um Unterstützung sollte so eine nachvollziehbare Kooperationsidee entstehen, von der beide Seiten profitieren können. Vincent Bautzki brachte seine Erfahrungen aus dem Netzwerk von Berlin Partner ein: wie Sportorganisationen geeignete Unternehmen identifizieren, lokale Netzwerke nutzen und mit gut vorbereiteten Kooperationsideen ins Gespräch kommen können.

Crowdfunding als Finanzierung und Aktivierung

Beim Thema Crowdfunding wurde deutlich: Es kann weit mehr sein kann als die Finanzierung eines einzelnen Projekts. Eine gut vorbereitete Kampagne kann die eigene Gemeinschaft aktivieren, neue Unterstützer*innen erreichen und die Sichtbarkeit eines Vereins oder Verbandes erhöhen.

Zugleich können Crowdfunding und Unternehmenskooperationen miteinander verbunden werden. Unternehmen können Kampagnen finanziell unterstützen, zusätzliche Reichweite schaffen oder ihre Netzwerke und Mitarbeitenden einbeziehen. Eine erfolgreiche Kampagne zeigt außerdem, dass eine Sportorganisation Menschen für ein konkretes Ziel begeistern und mobilisieren kann.

Entscheidend sind eine verständliche Projektidee, eine gute Geschichte, ein realistisches Finanzierungsziel und die Bereitschaft, die Kampagne intensiv zu kommunizieren.

Daniela Köber erläuterte, wie FAIRPLAID Vereine und Verbände bei der Entwicklung, Vorbereitung und Umsetzung von Crowdfunding-Kampagnen unterstützt und dabei hilft, die eigene Gemeinschaft für konkrete Projekte zu aktivieren.

Praxisbeispiel: TSV Berlin-Wittenau und GESOBAU

Einen besonders anschaulichen Einblick bietet die Kooperation zwischen dem TSV Berlin-Wittenau und der GESOBAU. Hendrik-Brian Melz, Vorstand des Vereins, zeigte, wie eine Partnerschaft funktionieren kann, wenn ein Verein die konkreten Interessen und Bedarfe eines Unternehmens versteht und daraus passende Angebote entwickelt.

Die Zusammenarbeit umfasst nicht nur eine finanzielle Unterstützung. Auch gemeinsame Social Days und ein Mietsponsoring gehören zur Partnerschaft. Der Verein erhält damit zusätzliche Ressourcen und einen verlässlichen Partner. Gleichzeitig kann die GESOBAU über den Verein Menschen in ihren Quartieren erreichen, gesellschaftliches Engagement sichtbar machen und konkrete Angebote unterstützen. Hendrik-Brian Melz unterstrich, dass eine hauptamtliche Leitung mit klaren Zuständigkeiten und verlässlicher Kommunikation wesentlich dazu beitragen kann, Unternehmenskooperationen professionell aufzubauen und langfristig zu pflegen.

Das Beispiel macht deutlich: Tragfähige Kooperationen entstehen insbesondere dann, wenn beide Seiten ihre Ziele und Möglichkeiten offen benennen, verbindlich zusammenarbeiten und die Partnerschaft kontinuierlich weiterentwickeln.

Vertiefender Austausch an drei Thementischen

Nach der Podiumsdiskussion wurden die Themen an drei Gesprächstischen weiter vertieft. Die Teilnehmenden sprachen über ihre eigenen Herausforderungen und entwickelten gemeinsam erste Lösungsansätze.

Dabei zeigte sich erneut, wie wertvoll der direkte Austausch zwischen Vereinen und Verbänden ist. Viele Organisationen stehen vor ähnlichen Fragen und können voneinander lernen.

Das LSB-Kompetenzzentrum setzt den Dialog fort

Ein herzlicher Dank gilt der Berlin Hyp, die als Gastgeberin die Räumlichkeiten für die Veranstaltung zur Verfügung stellte, sowie allen Podiumsgästen, Mitwirkenden und Teilnehmenden für die offenen Gespräche und praxisnahen Einblicke.

Das LSB-Kompetenzzentrum für Vereins- und Verbandsentwicklung wird den Austausch zwischen Sportorganisationen und weiteren gesellschaftlichen Akteuren fortsetzen und auch künftig passende Gesprächs- und Lernformate für Berliner Vereine und Verbände anbieten.

Was bleibt ist die Erkenntnis: Sportvereine und Sportverbände haben Unternehmen viel anzubieten. Entscheidend ist: eigene Stärken kennen, selbstbewusst sichtbar machen und daraus kreative Kooperationsangebote mit einem erkennbaren gemeinsamen Nutzen entwickeln.

Karlos El-Khatib

Bildunterschrift:

Die Gespräche wurden bei Sonnenuntergang auf der Dachterrasse der Berlin Hyp fortgesetzt. LSB-Verbandsentwickler Karlos El-Khatib (2. v. r.) moderierte die Veranstaltung.