Delegation des flämischen Sportverbands zu Gast beim LSB Berlin

Wie kann Sport wirklich für alle zugänglich gemacht werden? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines internationalen Austauschs beim Landessportbund Berlin. Vertreter*innen des flämischen Sportverbands und verschiedener Sportverbände aus Berlin diskutierten über die Inklusion von trans Personen im Sport. Es ging vor allem um strukturelle Herausforderungen und politische Rahmenbedingungen.

Fachlichen Input erhielten die Gäste am ersten Tag bei Workshops und Gesprächen mit Vertreter*innen des LSVD – Verband Queere Vielfalt Berlin-Brandenburg, der Senatsverwaltung für Inneres und Sport, der Sportjugend Berlin sowie der Bundesnetzwerktagung des queeren Sports. Eine Trainingseinheit beim queeren Boxverein Boxkerle e. V. schloss somit den ersten Tag und ermöglichte dabei einen direkten Einblick in die Praxis. Vereinsmitglieder schilderten dabei ihre Erfahrungen aus dem Trainingsalltag. 

Am zweiten Tag stand der Austausch mit Berliner Vereinen im Mittelpunkt. Unter anderem wieder mit den Boxkerlen, aber auch mit Vertreter*innen von Seitenwechsel - Sportverein für FrauenLesbenTrans*Inter* und Mädchen e. V., die u. a. auch die "Charta für geschlechtliche Vielfalt im Sport" entwickelt haben. Die belgischen Gäste zeigten großes Interesse an dieser Charta. Sie war ein entscheidender Grund dafür, warum die Delegation Berlin als Ort für ihren Erasmus+-Austausch gewählt hatte. Über Best-Practice-Beispiele berichtete Safa Semsary. Sie leitet das Projekt „Ready. Set. Coach.“, das der Berliner Fußball-Verband gemeinsam mit Nike durchführt, um mehr Mädchen, Frauen, Lesben, inter*, nicht-binäre, trans* und agender Personen (FLINTA) auf dem Weg zu Fußball-Coaches zu unterstützen. Sie hat auch die Berliner Sportvereine beraten, die an dem LSB-Modellprojekt „Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt im Berliner Sport“ teilgenommen haben.

Voneinander Lernen – das war ein Hauptanliegen des Austauschs. So berichteten die flämischen Gäste von sogenannten Schutzbeauftragten, die es bei ihnen in allen Verbänden gibt. „Das ist ein Ansatz, der über die Verantwortung für Kinderschutz hinausgeht und den Schutz vor interpersoneller Gewalt im Erwachsenenbereich einbezieht“, sagt Franziska Storm, LSB-Beauftragte für Vielfalt und Gleichstellung. Sie berichtet außerdem: „Es wurde deutlich, dass in Belgien diese Verantwortung stärker auf Verbandsebene liegt, während in Berlin die Bedeutung der Existenz von queeren Sportvereinen betont wird – sie bieten wichtige Schutzräume, Safer Spaces, die es in dieser Form in Flandern bislang kaum gibt.“

Der Austausch brachte viele positive Impulse und machte zugleich deutlich, „dass strukturelle Hürden in beiden Ländern ähnlich sind“, so Franziska Storm. „Häufig warten Vereine auf klare Vorgaben durch übergeordnete Organisationen bzw. Institutionen, während die Verantwortung von dort gleichzeitig nach unten delegiert wird. Besonders im Wettkampfsport stoßen inklusive Ansätze daher schnell an Grenzen – an eine Art gläserne Decke, die Fortschritte erschwert.“

Überschattet wurde der Austausch von aktuellen Entwicklungen auf internationaler Ebene: Die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees, trans Frauen künftig von Wettbewerben auszuschließen und Geschlechtertests einzuführen, sorgte für große Besorgnis bei den Teilnehmenden und steht im Gegensatz zu ihren Bemühungen, den Sport inklusiver zu gestalten.

Dennoch überwog am Ende die Motivation. „Es war motivierend zu sehen, dass so viele tolle Menschen bereit sind, etwas zu verändern, dass Allianzen auch außerhalb Berlins gebildet werden“, sagt Franziska Storm. „Dieses gemeinschaftliche ‚Wir schaffen das‘ ist sehr inspirierend, auch hier in Berlin nicht locker zu lassen und immer weiter für einen besseren Sport für alle zu kämpfen.“