Warum es wichtig ist, alle vier Optionen bei der Bestandsdatenmeldung abzufragen
Rechtlich gibt es in Deutschland aktuell vier Optionen für einen Eintrag im Personenstand:
- Weiblich
- Männlich
- Divers (3. Geschlechtsoption)
- Keine Angabe (4. Geschlechtsoption)
Die 3. und 4. Geschlechtsoption bildet alle Menschen ab, die sich nicht innerhalb der zweigeschlechtlichen Kategorie als „Frau“ oder „Mann“ identifizieren. Seit dem 1. November 2024 wird es im Zuge des Selbstbestimmungsgesetzes für trans*, inter* und nicht-binäre Menschen einfacher, den Personenstand an die eigene Geschlechtsidentität anpassen zu lassen. Mehr Infos zu dem Selbstbestimmungsgesetz finden Sie HIER.
„Sport für alle“ funktioniert zudem nur, wenn wir so viele Hürden wie möglich ab- und nicht aufbauen. Bei der Bestandsdatenmeldung gehört in diesem Zusammenhang unbedingt die dritte und vierte Option zur Auswahl. Die Abfrage von Geschlecht sollte im Sport keine Menschen im Vorfeld ausschließen.
Eine Positionierung und Vorbildfunktion des organisierten Sports in Deutschland ist bei diesem Thema notwendig. Es sollte dabei eine Einigkeit herrschen, wenn es um eine nachhaltige und diskriminierungsfreie Weiterentwicklung des Sports und der Gesellschaft geht. Die Stimme des Sports hat einen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft und sollte diese daher auch nutzen.
Der organisierte Sport muss niedrigschwelliger werden, wenn er sich für geschlechtliche Vielfalt öffnen möchte. Ausschluss und Diskriminierung aufgrund des Geschlechts und der Geschlechtsidentität darf sich nicht bei grundlegenden Dingen wie bspw. einer Bestandsdatenerhebung zeigen. Wenn wir schon Geschlechterdaten in Sportvereinen und -verbänden erheben, dann müssen wir allen Menschen ermöglichen, eine solche Angabe auch tätigen zu können. Hierbei geht es nicht nur um die Einträge, wie sie in staatlichen Dokumenten zu finden sind. Es geht vielmehr um die Identität der Menschen und die Möglichkeit, sich im Sport ohne Angst oder Benachteiligung aufgrund von Geschlecht oder Geschlechtsidentität wohl fühlen zu können. Durch die Möglichkeit, die dritte (divers) wie auch die vierte Geschlechtsoption (keine Angabe/kein Eintrag) - unabhängig eines Eintrages im Personenstand - wählen zu können, erreichen wir die Menschen in ihrer Realität. Wir schützen sie und eröffnen eine Sportlandschaft, in der sie willkommen sind. Die vierte Option soll dabei allen Menschen offen stehen, die sich keiner der anderen drei Geschlechtsoptionen zuordnen können. Die 4. Option bedeutet aber nicht: Ich möchte mein Geschlecht nicht angeben!
Aus unterschiedlichen Gründen lässt sich (aktuell) ein „geschlechterfreier“ Sport kaum umsetzen, weshalb die Abfrage von Geschlecht im Rahmen von Sportorganisation und Wettkampfwesen weiterhin als sinnvoll erachtet wird:
- Eine Weitergabe geschlechtsspezifischer Daten an statistische staatliche Stellen ist verpflichtend.
- Ligabetrieb und Wettkampfsystem sollen gerechte und faire Bedingungen bieten. Bisher gilt die Einteilung nach Geschlecht für die meisten Verbände als alternativlos.
- Sportentwicklung im Bereich von Förderung und Stärkung bestimmter Zielgruppen lässt sich häufig nur verargumentieren, wenn es Zahlen für diese Zielgruppen gibt (Fördergelder, Zuschüsse u. ä.)
- Die Sichtbarkeit bestimmter Gruppen (z. B. trans- oder intergeschlechtliche sowie nicht-binäre Personen) ist oftmals nur durch Zahlen eindeutig möglich.
Mit "divers" sind Menschen gemeint, die…
…im Personenstand offiziell „divers“ als Geschlecht angegeben haben
…Menschen, die sich selbst nicht als „weiblich“ oder „männlich“, sondern als „divers“ identifizieren (auch ohne offiziellen Personenstand)
Mit „keine Angabe“ sind Menschen gemeint, die...
....sich keiner der anderen drei Geschlechtsoptionen zuordnen können, weil sie zum Beispiel als agender / ageschlechtlich (geschlechtslos oder geschlechtsneutral) identifizieren und die Kategorie „Geschlecht“ für sich nicht anerkennen.
Was mache ich als Verein/Verband?
Die Vereine und Verbände können in der Bestandsdatenmeldung für ihre Mitglieder aus vier Geschlechtsoptionen wählen. Es geht dabei um die Angaben der Mitglieder selbst und nicht um eine willkürliche Zuordnung!
Vorgaben und Regularien des LSB:
Um dem Thema und allen Zielgruppen gerecht zu werden, bitten wir alle Vereine und Verbände die 3. und 4. Geschlechtsoption nicht falsch zu nutzen oder zu „missbrauchen“!
Die 3. und 4. Geschlechtsoption bedeutet NICHT: „Ich möchte mein Geschlecht nicht angeben“ oder „Das Mitglied hat keine Angabe beim Geschlecht gemacht“. Wenn es keine eindeutige Zuordnung zu „divers“ oder „keine Angabe“ gibt, dann bleibt diese Feldauswahl offen.
Der LSB führt im Rahmen der Bestandserhebung Plausibilitätsprüfungen durch, um z. B. pauschale Meldungen für einen gesamten Verein (z. B. alle Mitglieder „ohne Angabe“) sowie auffällige Veränderungen oder Abweichungen festzustellen.
Wir wollen geschlechtliche Vielfalt korrekt abbilden, weshalb wir auf die gewissenhafte Mitarbeit aller Beteiligten angewiesen sind.
Weitere Informationen und Erklärungen liefern hierzu die Webseiten:
Was bedeutet LSBTIQ*? Glossar der sexuellen und geschlechtlichen Vielfalt (lsvd.de)
Weitere Fragen zum Thema?
Beauftragte für Vielfalt und Gleichstellung im LSB: Franziska.Storm@lsb-berlin.de
Bei allgemeinen Informationen zur Bestandserhebung und Fragen zum LSB-Service-Portal:
LSB-Service-Hotline: +49 30 30002 288
per E-Mail für Vereine: vereinsservice@lsb-berlin.de
per E-Mail für Verbände: verbandsservice@lsb-berlin.de
Am 10. August 2023 fand eine Informationsveranstaltung zum Thema statt. Die Aufzeichnung soll allen Interessierten, die nicht an der Veranstaltung teilnehmen konnten, einen Überblick geben über:
- Geschlechtliche Vielfalt - was bedeutet das?
- Umsetzung von geschlechtlicher Vielfalt in der Bestandsdatenerhebung für Sportvereine
- Vereine fit machen: "Die Charta für geschlechtliche Vielfalt im Sport"
